Waterkant Börgerende

Ostsee-Zeitung Wochenendausgabe, 26./27. Februar 2000

"Waterkant"-Ruine verschandelt weiter den Ort

Investor stellt zwei Varianten vor / Dritter Interessent da

Ein Neubeginn im Bauplangebiet des "Waterkant" in Börgerende liegt noch immer in weiter Ferne. Inzwischen haben neue Investoren wieder neue Ideen, was anstelle der Ruine künftig dort entstehen kann.

Börgerende / Rethwisch (OZ) Uwe Deyle, Investor aus Stuttgart, war von Bürgermeister Axel Jaeger zur Einwohnerversammlung eingeladen worden, um hier sein neues Konzept zum Bauvorhaben vorzustellen. Schnell allerdings wurde klar: Weder der Abriss der hässlichen "Waterkant"-Ruine noch der Baubeginn eines neuen Hauses stehen unmittelbar bevor.

Deyle, der mit seiner Projektgesellschaft u. a. auch die Wasser-Freizeitanlage "Hanse-Dom" in Stralsund betreibt, erklärte, dass man seit 1994 bis 1999 in Börgerende einen "steigenden Gang" hinter sich gebracht habe. "Vor sechs Jahren sind wir bei der Bauvoranfrage allerdings noch von einem größeren Freizeitbad ausgegangen", erinnerte er. Das aber lehnte die regionale Raumordnungsbehörde ab. Danach sei das Konzept in "kleinere Hotelanlage mit Wasserfreizeit" geändert worden. Das Baurecht hierfür wurde im Sommer '99 rechtswirksam. Trotzdem wurde nicht sofort mit der Sanierung des Areals hinter dem Deich begonnen. Der Beschluss des Landes, dass neue Gästebetten nicht mehr gefördert werden, habe davon abgehalten.

"Ohne Förderung ist das nicht zu realisieren", sagt Deyle. Deshalb suche er einen Partner, der ein brauchbares Betreibungskonzept vorweist und das zügig umsetzen kann. In den nächsten Wochen werde entschieden, welcher neue Partner ins Boot genommen wird. Zwei Kandidaten waren in Börgerende gleich zur Stelle: Dr. Jürgen Krenz, ebenfalls ein Schwabe, vertrat ein Timesharing-Modell, wonach die Geldanleger ein Recht an den zu bauenden Appartements erwerben und diese auf einem weltweit agierenden Tauschmarkt als Urlaubsplatz zur Verfügung stellen. Diese Anlage könnte so ganzjährig betrieben werden. Der Nachteil: Ein Baubeginn einschließlich Abriss würde erst in Frage kommen, wenn sich nach dem Markteintritt auch eine entsprechende Nachfrage ergibt; also frühestens in eineinhalb Jahren. Der zweite Bewerber, der Rostocker Architekt Peter Hartz, warb für sein Konzept "Ferienappartementanlage". In beiden Konzepten ist von der einst groß angelegten Ostseetherme nur ein kleineres Schwimmbad mit öffentlicher Nutzung übrig geblieben.

Nach den Präsentationen hatten die Einwohner das Wort, kritisierten, dass Investor Deyle "außer dem Papierkram noch nichts Sichtbares zustande gebracht habe". Auch das Krenz-Projekt stieß auf große Ablehnung. Die Einwohner wünschen einen schnellen Fortgang der Dinge, fordern vor allem den Abriss der schändlichen Ruine. "Wir Einwohner hatten viel Geduld, jetzt wollen wir Taten sehen", brachte Gemeindevertreter Reimann die Sache auf den Punkt.

Deyle zeigte sich auf OZ-Nachfrage auch einer gemischten Variante mit beiden Konzepten offen gegenüber. Dass sich die Bewerber das Areal teilen, konnte sich auch Peter Hartz gut vorstellen. Krenz allerdings schloss ein gemeinsames Vorgehen für sich aus. Auch eine dritte Variante tauchte am Rande auf: Ein Unternehmen, das in Kühlungsborn mit Erfolg ganzjährig ein Hotel betreibt, zeigt Interesse an dem lukrativen Standort.

ROLF BARKHORN