Ferienresort Schloss Beberbeck

Presse Ferienresort Schloss Beberbeck


Quelle: FR Online 23.01.2010

Interview mit Tourismus-Experte Hahne

"Eine hoch riskante Investition"

Für das Schloss-Beberbeck-Resort sind fünf Hotels mit 2600 Betten geplant, 600 Apartments mit 3400 Betten, künstliche Seen, vier Golfplätze, Wellnessbad, 420 Millionen Euro Investitionssumme - gibt es irgendwo in Deutschland ein rentables Resort dieser Dimension?

Nein. Das größte deutsche Resort ist noch immer Fleesensee - und das ist nur halb so groß. Es läuft erstaunlich gut und hat unlängst expandiert. Die Masterplaner waren dieselben wie in Beberbeck. Aber Beberbeck wäre eine hoch riskante Investition - und war das auch schon vor der Finanzkrise.

Was läuft in Fleesensee, was in Beberbeck nicht laufen kann?

Die Lage ist ideal und bekannt: Unter der "mecklenburgischen Seenplatte" können sich Touristen etwas vorstellen. Sowohl nach Hamburg als auch nach Berlin fährt man nur eine Stunde - besser kann ein Einzugsgebiet nicht sein. Und das Allerwichtigste: Fleesensee wurde stark subventioniert - mit Steuermitteln für den Aufbau Ost.

Beberbeck fehlen Subventionen und eine gute Lage?

Beberbeck fehlt das Einzugsgebiet - ganz klar. Die Fahrzeit, die Gäste zu einem solchen Resort in Kauf nehmen, sind zwei bis maximal drei Stunden. Das für Nordhessen wichtige holländische Publikum würde Beberbeck gerade noch erreichen - aber das wird auch von anderen Anbietern umworben. Der Masterplan spricht von 80 Millionen möglichen Gästen im Umkreis von vier Autostunden. Das ist naiv. Die kann man niemals abgreifen.

Was spricht neben der Lage dagegen?

Ein solche Anlage zieht Kurzreisende an. Damit die Kaufkraft im Resort bleibt, sollen all ihre Freizeitbedürfnisse dort befriedigt werden. Es wird viel geboten - der Aufenthalt ist aber nicht billig. Eine Familie mit kritischem Einkommen wird überlegen, ob sie nicht lieber für das gleiche Geld länger ans Mittelmeer fliegt.

Könnten der demografische und der Klimawandel dem Projekt Auftrieb geben?

Ein Resort für Ältere wäre Beberbeck nicht - von Golf und Wellness mal abgesehen. Ältere wollen ein größeres Kulturangebot direkt vor Ort. Sababurg und Reinhardswald sind interessante Ziele - aber sie reichen nicht aus.

Mit welchem Wetter können Touristen in Beberbeck rechnen?

Es ist vergleichsweise kühl und feucht dort. Landwirtschaft hat dadurch gute Bedingungen - touristisch ist es schwieriger. Auch in Zukunft wird man, gerade in den Übergangsperioden, viel Niederschlag haben.

Was ist im Sommer? Die sollen ja heißer und trockener werden.

Mittel- und langfristig könnte Nordhessen klimatisch für Erholungsurlauber interessant werden. Eben weil es im Sommer nicht so stark dem Hitzestress unterliegt und es Schatten spendende, kühle Wälder gibt. So zu argumentieren ist spannend - spielt aber für Touristen noch längst keine Rolle. Und Beberbeck müsste bald kommen, sonst kommt es gar nicht.

Was könnte dort funktionieren? Dass Teile der Domäne weiter leer stehen, wollen ja auch die Gegner des Resorts nicht...

Wenn Beberbeck ein touristischer Standort werden soll, sollte man es kleinteiliger entwickeln. Einige der Masterplan-Ideen für die Gebäude sind ja nicht schlecht. Sie ließen sich mit der Landwirtschaft auf der Staatsdomäne vereinbaren. Falsch wäre, dieses Projekt nach der Alles-oder-Nichts-Philosophie in die Landschaft zu stellen und zu hoffen, dass der Markt es annimmt. Nichts ist für einen Ferienort schlimmer als der Blick auf Investitionsruinen. Besser zeigt man mit einem kleinen Anfang Erfolge, dann kommen auch Gäste - und Investoren.

Wer könnte überhaupt noch in Beberbeck investieren? Selbst Dubai ist ja pleite.

Eigentlich kommt derzeit nur ein irrationaler Investor in Frage. Die großen Reiseveranstalter bauen gerade Hotelkapazitäten ab. Das heißt nicht, dass niemand investiert. Aber Finanzierer und Betreiber prüfen sehr genau, wohin sie gehen. In Beberbeck soll offenbar viel Geld durch den Verkauf von Zweitwohnsitzen hereinkommen - die geplante Bettenzahl in diesem Segment wurde immer höher geschraubt. Das bringt aber später wenig Wertschöpfung - und verbraucht sehr viel Landschaft.

Interview: Katja Schmidt


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