Ferienresorts, Erlebnisbäder, Einkaufszentren - eine Millionen-Abzocke?

Ferienresort Schloss Beberbeck

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FR-online.de 11.09.2008

"Hurrikan an Massentourismus"

Streit um Großferienprojekt Beberbeck

Von Chris Melzer (dpa)

Beberbeck (dpa/lhe) - Ruhig genug ist es ja nördlich von Kassel. Hier, auf der sieben Jahrhunderte alten Sababurg, soll Dornröschen 100 Jahre lang geschlafen haben. Rankende Rosen gibt es dort auch heute noch, doch mit der beschaulichen Stille könnte es bald vorbei sein. In Beberbeck, nur zwei Kilometer entfernt, soll bald Deutschlands größter Ferienpark entstehen. Die Stadt Hofgeismar und das Land Hessen sind begeistert und hoffen auf 2000 Arbeitsplätze.

Kritiker, allen voran Umweltverbände, halten Nordhessen jedoch für zu klein für den von ihnen befürchteten "Hurrikan an Massentourismus".

Nordhessen gehört zu den am dünnsten besiedelten - und ärmsten - Regionen Deutschlands. Mittendrin liegt die Staatsdomäne Beberbeck, 800 Hektar im Besitz des Landes. Die benachbarte Stadt Hofgeismar will daraus Deutschlands größtes Ferienzentrum machen. Einige Pläne sehen 7100 Betten vor, von Golfplätzen und einem Polofeld ist die Rede, und sogar eine Trabrennbahn könnte Touristen anziehen. Weil im Umkreis von vier Autostunden 80 Millionen Menschen wohnen, könne eine 420 Millionen Euro teure Investition zum Erfolg werden. Dabei sollten die Natur und die Ruhe, der größte Standortvorteil für einen solchen Ferienpark, nicht strapaziert werden.

Umweltverbände kämpfen gegen das Projekt

"Bei einer solchen Größe ist es gar nicht möglich, die Natur nicht in Mitleidenschaft zu ziehen", glaubt Otto Löwer vom Bund für Umwelt und Naturschutz. Mit drei anderen Umweltvereinen kämpft er gegen das Projekt, von dem er "irreparable Schäden" befürchtet. "Wenn 7000 Urlauber kommen, ist das zwangsläufig mit Staus, Lärm und Dreck verbunden. Umweltverträglich geht das nicht." Sein Mitstreiter Hans- Jürgen Schwabe vom Naturschutzbund fürchtet gar, dass es mit Touristen nicht getan wäre: "Die Betten müssen warm bleiben. Was ist, wenn die Gäste ausbleiben? Wird dann noch eine Achterbahn neben die Sababurg gebaut?"

Befürchtungen, die der stellvertretende Sprecher der Landesregierung, Rainer Kling, zerstreuen möchte. "Wir entscheiden ja nicht über die Köpfe hinweg. Schließlich soll die Region den Vorteil haben." Bis zu 2000 Arbeitsplätze, gerade im Dienstleistungssektor - "das brauchen wir in Nordhessen dringend". Die Umwelt werde nicht über Gebühr in Anspruch genommen, die Anwohner würden es auch nicht: "Das deutsche Planungsrecht ist so weitgehend, dass alle Fragen erörtert werden und jeder gehört wird." Vor dieser konkreten Planungsphase sich zu äußern, sei müßig.

"Gutachten statistische Irrfahrt"

Doch so lange wollen die Gegner nicht schweigen: "Schließlich fangen die Planungsfehler schon an. Da werden in den Gutachten ganze Städte vergessen, Straßen unterschlagen und fiktive Zahlen eingeworfen", schimpft Hermann-Josef Rapp. Der Sprecher des Aktionsbündnisses der vier Umweltverbände bezeichnet die drei wichtigsten der gut 20 Gutachten der Stadt Hofgeismar als "statistische Irrfahrt".

"Viele Zahlen, von denen viele falsch sind.

Und dann Erkenntnisse wie die, dass Familien vor allem in Ferienzeiten Urlaub machen", ereifert sich der frühere Förster. "Das liest sich, als ob sich da einer am Sonntagmorgen mit einer Flasche Wein hingesetzt hat und abends das Gutachten fertig war." Wilfried Eckart, Geschäftsführer der stadteigenen "Domäne Beberbeck Verwaltungs-GmbH", nimmt die Kritik gelassen.

"Gutachten haben immer auch Kritiker. Aber wir müssen die von uns in Auftrag gegebenen Studien erst einmal selbst prüfen." Auch er verweist auf das ordentliche Planungsverfahren. "Wir haben mehr als 40 Beteiligten die Informationen zur Verfügung gestellt. Für die Prüfung muss aber geraume Zeit gegeben werden." An dem grundsätzlichen Plan halte Hofgeismar aber fest.

Im Grundsatz haben auch die Umweltschützer nichts dagegen.

"Hofgeismar braucht Visionen, und sanfter Tourismus ist genau das richtige", sagt NABU-Sprecher Reubert. Allerdings sehen er und seine Mitstreiter die Grenze bei 1000 Betten, "dann ist die Belastungsgrenze überschritten". Noch muss er sich aber keine Gedanken machen: Ein Investor, der die gut 400 Millionen Euro zahlt, ist noch immer nicht gefunden.

www.schloss-beberbeck-resort.de

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Dokument erstellt am 11.09.2008 um 17:01:16 Uhr
Letzte Änderung am 11.09.2008 um 17:33:18 Uhr
Erscheinungsdatum 11.09.2008

URL: http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/?em_cnt=1592870&em_loc=1234


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