Ferienresort Schloss Beberbeck

Presse Ferienresort Schloss Beberbeck


hr-online.de 21.02.2008

Studie der Uni Kassel

Wirtschaftlicher Erfolg fragwürdig

Das Ferienresort Schloss Beberbeck wird nur halb so viele Arbeitsplätze schaffen, wie es die Planer vorhersagen. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Universität Kassel. Sie werfen den Planern vor, auch in anderen Bereichen zu optimistisch kalkuliert zu haben. So werde Beberbeck etwa weniger Gäste als angenommen nach Nordhessen locken. Auf der anderen Seite könnten in Hofgeismar die Mieten teurer werden.

Heinrich Sattler (CDU), der Bürgermeister von Hofgeismar, und sein Team von Planern rechnen für das Ferienresort Beberbeck mit über 80 Millionen potenziellen Gästen. So viele Menschen könnten eine Kurzreise dorthin machen. Das heißt, ihre Autofahrt dauert weniger als vier Stunden. Diese Annahme hält Ulf Hahne, Professor für Ökonomie der Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Kassel, für unrealistisch: "Fahrzeiten von mehr als 90 Minuten sind für Tagesausflüge kritisch, mehr als 120 Minuten für Kurzreisen." Demnach würden nicht einmal Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet eine Kurzreise nach Beberbeck machen.


Vergleichbare Resorts in Deutschland
Port Olpenitz, Ostsee: 6.000 Betten (geplant).
Weißenhäuser Strand, Ostsee: 4.000 Betten.
Damp, Ostsee: 2.700 Betten.
Land Fleesensee, Mecklenburgische Seenplatte: 1.600 Betten.
Dorfhotel Sylt: 840 Betten.


Nur halb so viele Arbeitsplätze

Hahne hat zusammen mit Kollegen und Studenten den Plan für ein Resort Beberbeck analysiert. Die Ergebnisse lassen die Versprechungen von Sattler und seinem Planungsteam wie ein Märchen aussehen. Man gehe nicht nur von zu vielen Gästen, sondern auch von zu vielen neuen Arbeitsplätzen aus. 900 sind allein innerhalb des Resorts eingeplant, darunter eine Reihe von Teilzeitkräften und Auszubildenden. Im Bereich der Hotels kalkuliere man dabei im Schnitt mit 0,3 Arbeitsplätzen je Bett. Bestehende Resorts wie das Dorfhotel Sylt rechnen mit 0,15. Legt man diese Berechnungen für Beberbeck zu Grunde, so entstünden im Hotelbereich gerade mal 450 Arbeitsplätze. Die anderen 450 müssten demnach im Bereich Sport- und Freizeiteinrichtungen entstehen. Das sei eine äußerst optimistische Annahme, so Hahne.

Weniger Umsatz im Spaßbad

Auch in der Region um Beberbeck herum würden deutlich weniger Arbeitsplätze entstehen als angenommen. Die Planung geht davon aus, dass die Region das Resort versorgt, etwa mit Lebensmitteln und handwerklichen Dienstleistungen. Dadurch entstünden erneut Arbeitsplätze. Laut Hahne zeige die Erfahrung aber, dass Freizeitanlagen sich von Komplettbeschickern versorgen lassen, die außerhalb der Region angesiedelt sind. Außerdem nimmt die Planung an, dass die Gäste in der Region unterwegs sein werden und dort einkaufen, Sehenswürdigkeiten besuchen oder anderweitig Geld ausgeben. Tatsächlich sei das Konzept des Resorts aber darauf angelegt, die Kaufkraft innerhalb der Freizeitanlage zu binden. In der Region bereits vorhandene Thermen, Spaßbäder und Wellnessanbieter müssten mit Umsatzeinbußen rechnen. Dem entgegnet Sattler: "Wir wollen Beberbeck öffnen. Es soll dörflichen Charakter haben und anziehend wirken."

Meer und Berge fehlen

Insgesamt, so Hahne, sei Beberbeck viel zu groß geplant, zumal ihm ein nahes Ballungszentrum fehle, aus dem Kurzurlauber kommen. Zwar ist die Großstadt Kassel in der Nähe, aber die biete verhältnismäßig wenig Potenzial an Urlaubern im Vier- bis Fünf-Sterne-Bereich. Außerdem fehle Beberbeck eine zentrale Außenattraktion, also Meer oder Berge. Bereits bestehende Resorts im Inland liegen nah an einem Ballungsraum und verfügen in der Regel über 2.000 Betten. Dagegen wäre Beberbeck mit 7.100 Betten das größte Ferienresort Deutschlands.

Hälfte der Betten leer

Werden diese Betten jemals alle belegt sein? Die Prognose hierfür sei schwierig, sagt Hahne mit Blick auf bisherige Erfahrungen mit vergleichbaren Resorts: Land Fleesensee an der Mecklenburgischen Seenplatte sei gegenwärtig zu 70 Prozent ausgelastet. Die Planer von Beberbeck rechnen mit einer Auslastung der Hotel-Betten von 50 bis 58 Prozent. Das sei realistisch, urteilt Hahne. Ob das aber reicht, um das Resort das ganze Jahr zu betreiben, dürfe bezweifelt werden.

Die Mieten in Hofgeismar könnten teurer werden

Trotz aller Vorbehalte kommt die Analyse der studentischen Arbeitsgruppe zu dem Schluss, Beberbeck werde sich positiv auf die Region auswirken. Die Verkehrsinfrastruktur werde ausgebaut werden müssen und auch der Flughafen Kassel/Calden werde mehr Fluggäste erwarten können.

Durch das Resort könne Hofgeismar mit mehr Gewerbesteuern rechnen, aber eben weniger als erwartet. Allerdings könne die steigende Nachfrage durch mehr Besucher zu Preissteigerungen führen, vor allem beim Wohnen.

Beberbeck bremse sogar Entwicklung in Willingen

Zudem würden die positiven Effekte teuer erkauft: fruchtbare Böden werden versiegelt und die Staatsdomäne Beberbeck als landwirtschaftlicher Betrieb werde dicht gemacht. Immerhin schreibe sie schwarze Zahlen, biete ein paar Arbeitsplätze und liefere hochwertige Lebensmittel.

Gegenwärtig bremse das Resort die Entwicklung der Region aus, so Hahne: "Das Projekt schwebt über allem. Menschen, die in der Region investieren wollen, warten erst mal ab. Diese Hemmung ist spürbar bis nach Willingen."

Redaktion: kear


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