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Sächsische Zeitung, 28.09.00

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Abrissbirne macht Nebengelass platt

Experten informieren heute am Wilhelmstheater

Von Anja Hecking

Die Abrissbirne schwingt weiter bedrohlich über dem Wilhelmstheater. Vorerst bildlich, denn die Genehmigung für den Abriss des Gebäudes liegt immer noch nicht vor. Nach dem Verkauf des Grundstücks von Karstadt an die Blank-Baugruppe hatte der Görlitzer Stadtrat am 31. August den vorhabenbezogenen Bebauungsplan beschlossen - ganz am Ende des öffentlichen Sitzungsteils nach mehrstündiger Schwimmbad-Debatte.

Gegen die Beschlussvorlage stimmten lediglich Gottfried Semmling (Bündnisgrüne) und Michael Prochnow (SPD). "Die Art des geplanten neuen Gebäudes wiegt den Verlust des Wilhelmstheaters nicht auf", sagt der SPD-Stadtrat. Auch habe er immer wieder von Unsicherheiten mit der Blank-Baugruppe gehört. "Eine Bankbürgschaft habe ich bisher nicht gesehen."

Inzwischen lässt die Baustein City-Center Frauentor GmbH, die ein Büro in Chemnitz unterhält, das Gelände hinter Karstadt von Nebengelass beräumen. Die mit dem Abbruch der Gebäude beauftragte Barth & Laux GmbH in Chemnitz wiederum hat die Arbeiten vor Ort an die in Kunnersdorf ansässige SBR Sortier- und Baustoffrecycling Görlitz GmbH übertragen. Den Abrissauftrag für das Wilhelmstheater hat die hiesige Firma aber noch nicht, sagt Betriebsleiter Reiner Ullrich.

Weiterer Protest gegen den Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes formiert sich nun auch weit über die Stadtgrenzen hinaus. Die Gesellschaft Historisches Berlin e. V. kritisiert, dass anstelle der vorhandenen Bebauung ein Parkhaus und Einkaufs-Center entstehen sollen, obwohl genügend freie Flächen im Stadtgebiet vorhanden wären. Vereinsvorsitzende Annette Ahme: "Wir protestieren energisch gegen diese Kulturbarberei." Die Aussage von Bauhistoriker Dieter Hoffmann-Axthelm zum Denkmalstag, im Flächendenkmal Görlitz sei kein einziges Haus entbehrlich, wird von der Gesellschaft ebenso unterstützt wie der Protest des renommierten Frankfurter Büros Speer. Um das Problem überregional publik zu machen, hat die Gesellschaft Historisches Berlin gemeinsam mit dem Dresdner Verein "Historischer Neumarkt" für heute Mittag Medienvertreter zu einem Expertengespräch vor Ort in Görlitz eingeladen.


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