Tropenbad Waikiki Jülich (Aqua Planet / Medicoplan)

Aachener Zeitung, AZ-Web Lokales Jülich, 16.6.1999

Aus fürs Superbad Waikiki: Stadtrat geschlossen dagegen

Jülich. Das hatte sich Klaus-Dieter Schnell von Medicoplan anders vorgestellt. Der Mann von der Projekt-Beratung für Investor Aqua Planet war extra nach Jülich gekommen, um für das Bad Waikiki die Werbetrommel zu rühren. Er wollte für Fragen aus Reihen des Stadtrates zur Verfügung stehen, der über den Abschluß eines Optionsvertrages entscheiden sollte. Man sah Schnell durch Jülich spazieren, um sich die Zeit bis zu seinem Auftritt zu vertreiben. Die Ratssitzung zog sich aber lange hin. Endlich wurde das Thema als letzter Tagesordnungspunkt in öffentlicher Sitzung aufgerufen. Schnell nahm erwartungsvoll neben den Vertretern der Verwaltung Platz. Dabei blieb es. Denn Schnells Informationen waren nicht mehr gefragt. Nacheinander erteilten die Fraktionssprecher Franz-Josef Köhne (SPD), Wolfgang Gunia (CDU), Reinhold Wagner (Grüne) und Arnold Beginn (FDP) dem ehrgeizigen Projekt, das jährlich weit über 600 000 Besucher anlocken sollte, eine klare Absage.

Tenor: Diese erwartete Besucherzahl ist unrealistisch, das Bad rechnet sich nicht, die Stadt müßte über kurz oder lang für viel Geld das Prestigeobjekt doch noch übernehmen und Jahr für Jahr durch Zuschüsse in Millionenhöhe bluten. Köhne schlug vor, daß die Verwaltung statt dessen nach den Kommunalwahlen (12. September) ausführlich mit Nachbargemeinden wie Titz, Aldenhoven und Linnich sprechen und ein Konzept entwickeln, um die Bäderfrage gemeinsam zu lösen. Das ließ Stadtdirektor Heinrich Stommel und Waikiki-Befürworter den Kamm schwillen. "Die Nachbargemeinden werden kein Geld mitbringen, um ein Bad zu bauen." Dagegen wäre Waikiki aufgrund williger Investoren möglich gewesen, ohne daß die Stadt viel Geld hätte beisteuern müssen, allenfalls für die Zufahrt und ähnliches. Stommel sprach gar von gezielter "Diskreditierung" im Vorfeld, um das Projekt in Jülich durch Vergleich mit dem bereits existierenden Bad in Zeulenroda (Thüringen) und dort laufende staatsanwaltschaftliche Ermittlungen im schlechten Lichte erscheinen zu lassen.

Bürgermeister Dr. Peter Nieveler (CDU) sah andere Gründe. "Waikiki ist bereits vor eineinhalb Jahre gestorben, als alles von Attraktivierung redete und wir davon sprachen, die beiden existierenden Bäder zu schließen", nahm Nieveler die Bürgerinitiative aufs Korn, die daraufhin über 4000 Unterschriften zum Erhalt von Frei- und Hallenbad gesammelt hatte. Der Bürgermeister resignierend: "Gegen Windmühlen zu kämpfen, bringt nichts." Der CDU-Politiker dachte aber weiter: "Die Sanierung der Bäder bleibt mit Sicherheit weggeworfenes Geld." Da war er wieder mit Stommel einer Meinung. Bäder ohne Boden also. Auch wenn es nicht gerade den Standort Brückenkopf-Park stärken würde, so philosophierte Nieveler über das Aus für das Freibad. Statt dessen könnte ja das Hallenbad ein kleines Außenbecken im Bereich des alten Stadtgrabens erhalten. Und da gebe es ja auch noch "moderne Schwimmteichbäder". Das löste bei dem ansonsten so bitteren Thema allgemeine Heiterkeit aus ("Aufblasbares Gummibecken mit Quietsche-Ente", so ein Zwischenruf). Nieveler zeigte wenig Hoffnung mit Blick auf ein in der Bäderfrage konstruktives Verhalten des Stadtrates: "Wie ich Sie kenne, werden die einen kleineren Bad für 25 Millionen Mark (Anm. d. Red.: So etwas hatte Monte Mare vorgeschlagen) nicht zustimmen, dafür werden die anderen gegen eine Sanierung der bestehenden Bäder sein."