Thermalbäder in Österreich

Quelle: http://www.kurier.at/nachrichten/burgenland/133271.php

Ebbe in so manchen Wellness-Tempeln

Thermen - Besucherrückgang von 0,2 Prozent. Neue Ideen sind gefragt. Wer die Therme Stegersbach kauft steht noch in den Sternen

Der Thermenboom ist vorbei, Planschen im bachlwarmen Thermalwasser nicht mehr attraktiv. Das ist nicht erst seit gestern so, im Grunde flacht das Besucherinteresse seit Jahren ab. 2007 mussten Österreichs Thermen einen Besucherrückgang um 0,2 Prozent auf 7,36 Millionen Eintritte verzeichnen. Auffallend: Der Anteil von Stundenkarten und Gästen mit ermäßigtem Eintritt steigt, zulasten voll zahlender Gäste. Dazu kommt der Verdrängungswettbewerb durch Neubauten.

Geografische Lücken gebe es noch in Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Oberösterreich. Und auch der Großraum Wien mit 1,7 Millionen Einwohnern habe mit Oberlaa und der Römertherme Baden wenig Kapazitäten. "Der Ausbau von Oberlaa und der Neubau in Frauenkirchen (die Seewinkeltherme, Anm.) macht Sinn, kostet aber anderen Thermen Besucher", erklärt Andreas Kreutzer vom Marktanalyse-Institut Kreutzer, Fischer & Partner im KURIER-Gespräch.

"Frauenkirchen ist von Wien rascher zu erreichen als das Thermenland im Südburgenland und der Steiermark. Erster Schließungskandidat ist Stegersbach", analysiert Kreutzer.

Während in Oberlaa als Erlebnistherme für Tages- und Stundengäste konzipiert sei, sei Frauenkirchen für den Zwei- bis Dreitagesgast gedacht. Stärkstes Argument für die Seewinkeltherme sei das Engagement der Vamed als Betreiber: "Deren Projekte funktionieren alle gut, wenn nicht die Vamed dahinter stecken würde, wäre ich skeptisch." Gut dastehen derzeit nur die Kindertherme in Lutzmannsburg und die Therme Seebersdorf, die sich über ein Gästeplus von durchschnittlich 2,6 Prozent freuen können.

Drei Interessenten

Über den geplanten Verkauf der Thermen Lutzmannsburg und Stegersbach hört man von der WiBAG nichts Konkretes. "Es gibt drei ernst zunehmende Interessenten", gab WiBAG-Direktor Franz Kast zu Protokoll "die ein Nahverhältnis zum burgenländischen Tourismus haben". Mit mehr Informationen wollte der Vorstand nicht herausrücken.

Und ob diese stimmen kann nicht als bare Münze genommen werden. Denn im Feber des Vorjahres sprach Peter Schmitl - ebenfalls WiBAG-Direktor auf der roten Seite angesiedelt - von "12 bis 13 Interessenten". Am 24. April (2007) würde die Suche beendet sein und "Anfang Mai werden wir wissen, wer Interesse" zeige, sagte Kast.

Am 6. März könnte das Rätselraten ein Ende haben. Dann sollen dem Aufsichtsrat die Angebote vorliegen. Dieser entscheidet, ob der Verkauf über die Bühne geht oder man sich weiterhin auf die Pirsch macht, Interessenten zu finden. Als Wunschpreis für Stegersbach werden 30 Mio. € kolportiert.

Artikel vom 21.02.2008 18:41 | KURIER |