PPP: Pleiten, Pech und Pannen

Leipziger Volkszeitung 30. Juli 2000
Meldungen aus Sachsen

Von "Platsch" bis "Basso" - Spaßbädern vergeht der Spaß

Geringe Auslastung drückt die Stimmung / Vielen steht wirtschaftlich das Wasser bis zum Hals

Oschatz/Bad Düben/Halle. Den Spaßbädern in der Region vergeht langsam der Spaß. Vielen steht wirtschaftlich das Wasser bis zum Hals, ihre Auslastung ist alarmierend. Zu dieser Einschätzung kommt der Jahresbericht 2000 zum Tourismusbarometer, den der Ostdeutsche Sparkassen- und Giroverband in Auftrag gegeben hat. Wegen des Wettbewerbs mussten die meisten Erlebnisbäder im Osten 1999 Besucherrückgänge von etwa zehn Prozent verkraften, heißt es in der Analyse. Durchschnittlich sei jedes Bad von 240 000 Besuchern pro Jahr genutzt worden, weist die Studie aus. Zu wenig, um auf Dauer zu überleben, warnt der Verband. Außerdem kämen im Badeland Sachsen zu den 19 bisher gebauten noch fünf neue hinzu.

Der Geschäftsführer des Oschatzer Erlebnisbades "Platsch", Tobias Schniggenfittig, bestätigt die Abwärtsentwicklung. "Auch unser Bad liegt im Negativ-Trend. Im Vergleich zu 1998 mussten wir 1999 einen Besucherrückgang bis 15 Prozent verkraften", sagte er. Im Vorjahr sei die Anlage von rund 220.000 Gästen besucht worden. Doch der "Platsch"-Chef sieht Licht am Ende des Tunnels. "Durch das neu installierte ,Rutschen-Eldorado' ist die Besucherzahl wieder gestiegen", hofft er auf eine Kehrtwende. Für das laufende Jahr peilt das "Platsch" eine Besucherzahl von etwa 250 000 an.

Auch im Bad Schmiedeberger Erlebnisbad "Basso" wachsen die Sorgen. Geschäftsführer Christoph Jaekel bestätigt einen Besucher-Rückgang von "fünf bis zehn Prozent", ohne genauere Zahlen nennen zu wollen. Jaekel: "Der ganzen Branche geht's nicht gerade gut." Außerdem herrsche ein Überangebot im Osten. "Der mitteldeutsche Raum verfügt über eine große Anzahl neuer Freizeitbäder", sagte er.

Einen zusätzlichen Mitbewerber hat das "Basso" direkt vor der Haustür bekommen. Im benachbarten Bad Düben ist seit Ende 1999 das Kurbad "Heide Spa" geöffnet. Die angenehme Qual der Wahl für Wasserratten, ein Albtraum für die Betreiber. Wobei die "Heide Spa"-Chefs von Konkurrenz nichts hören wollen. Kurdirektor Reiner Heun: "Im Vergleich zu den Spaßbädern haben wir einen anderen Ansatz. Bei uns steht nicht der Badebetrieb im Mittelpunkt, sondern die Verknüpfung von Gesundheit, Fitness, Wellness."

Relative Gelassenheit herrscht noch im "Maya Mare" in Halle, das der Leipziger "Sachsen-Therme" harte Konkurrenz beschert. "Das mexikanische Flair kommt bei den Besuchern sehr gut an", sagte die Vize-Chefin Daniela Andreas. Genaue Besucherzahlen nannte sie nicht, die ein Jahr alte Einrichtung lebt aber vor allem noch vom Neuheitsbonus. Da der nicht ewig halten wird, sind exotische Aktionen wie "Beach Clapping" geplant. Schließlich sollen die verwöhnten Badegäste bei der Stange gehalten werden. Ob es hilft, bleibt abzuwarten. Denn aktuelle Analysen bestätigen, dass das gute alte Hallenbad auch im Zeitalter der exotischen Spaßbäder noch immer gefragt ist. So hat die Schwimmhalle Eilenburg seit Jahren konstant gute Gästezahlen.

Frank Hörügel/Olaf Majer/Nico Fliegner/Evelyn Steiche

© Leipziger Volkszeitung Online vom 30.07.00