Lagune Cottbus

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Lausitzer Rundschau 14.08.2008

Änderungskündigungen unwirksam / Erneut 140 000 Euro Minus

Cottbuser Lagune-Chef geht vor Arbeitsgericht baden

Der Betreiber des Cottbuser Sport- und Freizeitbades Lagune schüttelt den Kopf. "Das ist ja unglaublich" , erregt sich Wolfgang Tober. Gerade hat das Arbeitsgericht ihm bescheinigt, dass die vom Lagune-Chef ausgesprochenen Änderungskündigungen, die vier Mitarbeitern Lohneinbußen zwischen 30 und 60 Prozent gebracht hätten, aus formalen Gründen unwirksam sind. "Es ging dabei doch gar nicht darum, ob ich mehr oder weniger Gewinn mache, sondern darum, dass der Betrieb überlebt" , sagt Tober.


"Wir können unsere Rechnungen noch bezahlen."
Wolfgang Tober, Lagune-Geschäftsführer


Das Bad steckt in einer tiefen Krise. Laut Jahresabschluss 2007 hat die Lagune im vergangenen Rumpfgeschäftsjahr ab Mai einen ungedeckten Verlust in Höhe von 85 250 Euro Verlust eingefahren. Es drohe die Insolvenz, wenn die Kosten für das Bad-Personal nicht erheblich reduziert werden könnten, hatte Tober die Änderungskündigungen im März begründet und darauf verwiesen, dass er deshalb ein neues Entlohnungssystem habe einführen wollen.

Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Von einem Minus in Höhe von 140 000 Euro spricht Tober für die ersten sechs Monate diesen Jahres. Der Grund: Es kommen zu wenig Besucher. "Alles ist teurer geworden, sodass die Menschen zuerst bei ihren Freitzeitaktivitäten sparen", erklärt sich Tober den Gästeschwund. "Nehmen Sie nur die Preisexplosion bei den Energiekosten. Das war bei meiner Planung im Jahr 2004 nicht absehbar."

Nach eigenen früheren Angaben hatte Tober mit etwa 260 000 Besuchern pro Jahr gerechnet. In den acht Betriebsmonaten des vergangenen Jahres waren es rund 99 000 zahlende Gäste. 180 000 seien erforderlich, so Tober. Das Finanzloch hat Tober vor allem dadurch gedeckt, dass er nach Verhandlungen mit der Stadt Cottbus 100 000 Euro aus einer Vertragserfüllungs-Bürgschaft zugeschossen hat. Weitere 200 000 Euro habe er in diesem Jahr schon aus dieser Bürgschaft entnehmen müssen, sagt Tober. "Für dieses Geld, das ich zurückzahlen muss, bürge ich persönlich."

Arbeitsrichterin Anja Thum-Will hat gestern die fristlosen Änderungskündigungen der vier Mitarbeiter dennoch für unwirksam erklärt. Die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates bei der Einführung des neuen Entlohnungssystems seien nicht beachtet worden, sagt sie. "Das ist aber zwingend erforderlich. Verweigert der Betriebsrat seine Zustimmung, muss zunächst die Einigungsstelle angerufen worden. Das ist nicht geschehen."

Die vier betroffenen Mitarbeiter sind allesamt Ex- oder amtierende Betriebsräte. Sie werden nach den Tarifen für den öffentlichen Dienst bezahlt, weil sie als städtische Mitarbeiter des "Splash" zum 1. Mai 2007 von der Lagune mit übernommen werden mussten. "Das bedeutet, dass diese Gehälter zwingend ein Jahr lang weiterbezahlt werden müssen" , erklärt Richterin Anja Thum-Will. "Durch die fristlose Änderungskündigung im März ist dagegen verstoßen worden."

Lagune-Chef Tober will oder kann das nicht verstehen. "Den 1. Mai hätte ich doch gar nicht überlebt, wenn ich da nicht noch mal Geld reingesteckt hätte" , sagt er. "Um die drohende Insolvenz abzuwenden, habe ich doch diese fristlosen Änderungskündigungen ausgesprochen."

Alles andere als erleichtert wirken auch die betroffenen Mitarbeiter nach der Gerichtsentscheidung. "Ich werde jetzt im Betrieb wohl noch mehr Spießruten laufen müssen" , sagt eine Betroffene. "Man muss hart sein, aber ich sehe nicht ein, warum ich nach 22 Jahren meinen Job an den Nagel hängen sollte." Ein anderer Mitarbeiter sagt: "Ich habe mich aus dem Betriebsrat zurückgezogen, weil mir Fachschulungen verweigert worden sind, sodass ich damals von einigen Entscheidungen überrollt worden bin."

Der Cottbuser Verdi-Gewerkschaftssekretär Ralf Franke weiß, "dass die Finanzsituation bei der Lagune sicherlich weiterhin schwierig ist" . Er verweist aber auch auf erhebliche Personalkostenentlastungen, die bereits erfolgt seien. Zwei Auszubildende hätten inzwischen ihre Lehre beendet, ein Arbeitsverhältnis sei aufgelöst, die Anzahl der Aushilfskräfte reduziert und mit drei Ex-Splash-Mitarbeitern seien neue Verträge mit geringeren Bezügen geschlossen worden. "Ich denke, dass die Stadt als Eigentümer des Bades jetzt Mitverantwortung übernehmen muss."

Als Privatinvestor hatte Tober das Bad in einjähriger Bauzeit für rund 16,5 Millionen Euro errichtet. Betreiber ist die Aqua Vital GmbH, die das Bad für 25 Jahre von der Stadt gepachtet hat. Die Stadt Cottbus finanziert im Gegenzug mit einem jährlichen Zuschuss den Kapitaldienst für den Bau der Lagune, den Schulsport in der neuen Halle und Betriebskosten - laut Haushalt sind das insgesamt 25,257 Millionen Euro. Veranschlagt für dieses Jahr sind 1,35 Millionen Euro.

"Wir können unsere Rechnungen noch bezahlen", sagt Tober. "Aber durch die Gerichtsentscheidung werden die Dinge nicht einfacher." Und sein Anwalt Eberhard Tomsche erklärt: "Das Verhältnis zu diesem Betriebsrat ist nicht harmonisch, aber der Druck, Kosten zu sparen, besteht weiter. Betriebsrat und Arbeitgeber müssen sich deshalb jetzt aufeinander zu bewegen."


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