Barbara Geisel, Highship Industries & Tycoon in Flensburg

Aufgedeckt: Plagiate auf highship-industries.com


Presseübersicht Barbara Geisel & Highship Industries in Flensburg


Flensburger Tageblatt 23. November 2011

Flugschiffbau an der Harniskaispitze?

Highship Industries aus Bristol/England stellte im Rathaus atemberaubende Planungen für die Endmontage von "Bodeneffektfahrzeugen" vor

Flensburg

CDU-Ratsherr Hans Hermann Laturnus brachte es etwas flapsig auf den Punkt: "Science Fiction in Flensburg und Büdelsdorf!" Soeben hatte Barbara Geisel, Geschäftsführerin der Firma Highship Industries, den ungläubig staunenden Mitgliedern des Hauptausschusses erläutert, wie Flensburg in nicht allzu ferner Zukunft ein zweites, wenn auch deutlich kleineres Finkenwerder werden könnte. Highship plant an der Harniskaispitze die Endmontage von Flugbooten, sogenannter "Bodeneffektfahrzeuge", die mit hoher Geschwindigkeit in geringer Flughöhe von einem bis 1,5 Metern übers Wasser brausen.

Vor dem Europaraum E67 des Rathauses konnte man schon mal probefliegen. Hier zeigte Thomas Ruth vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung am Trainingssimulator, wie die Geräte beschleunigen und abheben. Später konnte man in einem Film tatsächliche Bodeneffektfahrzeuge bestaunen, die hier Hoverwings hießen. Das erste Patent, so erläuterte Barbara Geisel, stammte aus dem 18. Jahrhundert. Highship existiert seit 2005, hat seinen Sitz in Bristol / England, möchte jedoch in Deutschland produzieren, "weil es in Großbritannien nicht genügend gut ausgebildete Fachkräfte gibt", so Geisel. Es gebe bereits konkrete Kundenanfragen; potenzielle Abnehmer seien Fährgesellschaften. Die Fahrzeuge könnten als Insel-Taxis und Ambulanzen, von Polizei und Küstenwache, für die Versorgung von Bohrinseln und Windparks eingesetzt werden. Möglich sei jedoch auch der Bau größerer Exemplare als Ersatz für Lkw im Eisverkehr in arktischen Breiten. "Wöchentlich brechen ein bis zwei Lkw durchs Eis und gehen unter", ließ Geisel wissen. Denkbar sei zudem der Einsatz in Wüsten.

Bevor die Bodeneffektfahrzeuge an der Harniskaispitze in Serie gehen, sollen hier Prototypen gebaut und zu Wasser gelassen werden. Mit einem konventionellen Unterwasserantrieb fahren sie, quasi als Schiff, hinaus auf die Ostsee, wo sie dann in einem markierten Seegebiet Testfahrten oder -flüge absolvieren können. Ein noch nicht gelöstes Problem seien Start und Landungen bei Wellenhöhen von mehr als 3,50 Metern.

Wenn alles klappt, nicht zuletzt die Finanzierung, will Highship im Frühjahr 2012 an der Harniskaispitze eine Produktionshalle bauen. Hier sollen bis zu 40 Facharbeiter die Fahrzeuge montieren; dazu kommen ein bis zwei Konstrukteure, ein Auszubildender pro Jahr, zwei Testpiloten und vier bis zehn Mitarbeiter für die Schulung. Die Produktion der Bauteile war eigentlich in Büdelsdorf geplant, doch wegen erheblicher Verzögerungen war der Grundstückskaufvertrag rückabgewickelt worden.

"Wir wären erheblich ruhiger, wenn Airbus Ihr Partner wäre", fasste Jörg Petersen (FDP) zusammen. "Fast zu schön, um wahr zu sein", urteilte Hans von Bothmer (Die Linke). Bohrende Fragen zum Unternehmen und den jeweiligen Gesellschaftsformen stellte Wolfgang Schmiel (WiF). Die will Barbara Geisel zu gegebener Zeit beantworten.

Joachim Pohl


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