Barbara Geisel, Highship Industries & Tycoon in Flensburg

Aufgedeckt: Plagiate auf highship-industries.com


Presseübersicht Barbara Geisel & Highship Industries in Flensburg


Flensburger Tageblatt 18. Januar 2013

Harniskai: Stadt will Belege sehen

Angebliches Millionen-Polster bedeutet für Politik und Verwaltung keine Entwarnung / Wasser-und Schifffahrtsamt: "Es gibt keine Teststrecke"

Flensburg

Allenthalben gibt es eine gewisse Erleichterung, aber die Skepsis behält Oberwasser. Der Harniskai-Investor scheint über die finanziellen Mittel zu verfügen, Produktionsanlage und Montage-Halle für Bodeneffekt-Fahrzeuge zu realisieren, aber der Informationsbedarf in Flensburg bleibt davon unberührt. "Wir haben die Highship-Geschäftsführerin Barbara Geisel eingeladen, am 29. Januar im Hauptausschuss Rede und Antwort zu stehen", sagt Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf. "Bislang hat sie uns noch nicht abgesagt."

Insofern sorgte die in unserem gestrigen Zeitungsbericht transportierte Aussage der Geschäftsführerin, vorerst nicht nach Flensburg zu kommen, für einige Irritationen. "Sie hat die klare Aufforderung, schnellstmöglich in Flensburg zu erscheinen", sagt Erika Vollmer (WiF), Vorsitzende des Hauptausschusses. Dass "Highship Industries" mit 72 Millionen Euro scheinbar über eine solide Eigenkapitalbasis verfüge, höre sich zwar gut an, so Vollmer, "aber das glaube ich erst, wenn ich das Geld sehe." Die Aufforderung an Geisel, die aus nicht geleisteten Pachtzahlungen, vor allem aber diversen nicht eingehaltenen Ankündigungen entstandenen Irritationen direkt mit dem Hauptausschuss zu klären, bestehe seit einem halben Jahr. "Wir haben sie aufgefordert zu kommen, das hat sie nicht gemacht."

Von dieser Verpflichtung sieht die Verwaltung sie nicht entbunden. "Frau Geisel hatte uns zugesagt, nach dem 15. Januar für ein Gespräch zur Verfügung zu stehen", sagt Teschendorf. "Jetzt über die Zeitung mitzuteilen, dass dieses Gespräch vorerst nicht stattfinden kann, ist das falsche Signal." Wie berichtet, bereitet die Verwaltung gegenwärtig Plan B vor. Nach zahlreichen Ankündigungen, mit dem Bau zu beginnen, ist der Geduldsfaden äußerst dünn geworden.

Clemens Teschendorf bestätigte gestern nochmals, dass der nächste Schritt durchaus die Rückabwicklung des Erbbau-Vertrages mit Highship Industries sein könne - egal, ob da nun 72 Millionen Euro sind oder nicht. "Frau Geisel muss sich hier der Diskussion stellen und ihre Ablaufpläne endlich konkretisieren. Irgendwann ist es ausgereizt - und da braucht sie schon gute Argumente, wenn es hier weitergehen soll."

Vor diesem Hintergrund ist es aus Teschendorfs und Vollmers Sicht nicht gerade vertrauensbildend, was das Wasser- und Schifffahrtsamt über den Kontakt mit Highship Industries zu berichten hat. Die Lübecker Behörde ist zuständig für die Einrichtung von Sondergebieten - und von rasenden Bodeneffekt-Fahrzeugen zwischen Freizeit- und Profi-Kapitänen überhaupt nicht begeistert. "Es gab ein erstes Gespräch", bestätigt Behördenleiter Henning Dierken. "Aber keinen Antrag, keine Genehmigung und folglich auch keine Teststrecke. Wir sehen das ohnehin sehr kritisch." Wenn es überhaupt zu einer Genehmigung kommt, so Dierken, dann nur für Fahrzeuge, die nach den strengen Vorschriften des Germanischen Lloyd klassifiziert sind - und unter vielen Auflagen. Wenn überhaupt.

Demgegenüber hatte Geisel gegenüber unserer Zeitung gestern gesagt, die Frage des Gebietes für Testfahrten mit den bis zu 300 Kilometern pro Stunde schnellen Fahrzeugen in der Flensburger Außenförde sei geregelt. Die Klärung dieser Frage, so Geisel, sei nämlich von grundsätzlicher Bedeutung für die Millionen schwere Ansiedlung von Highship an der Harniskaispitze gewesen. "Sonst wären wir ins Ausland gegangen."

Die Entscheidung für den Standort fiel im Dezember 2010. Das dafür angeblich unabdingbare Gespräch mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt aber führte Barbara Geisel viel später. "Irgendwann im vergangenen Jahr", erinnert sich Dierken. Man ahnt es schon. Barbara Geisel wird in Flensburg einiges erklären müssen. Und gemütlich wird es im Hauptausschuss sicher nicht. "Das", so Teschendorf, "ist natürlich ein weiterer Baustein für unsere Skepsis."

Holger Ohlsen

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