Fördeland Therme Glücksburg

Presse Fördeland Therme Glücksburg


Flensburger Tageblatt 28. 08. 2010

Millionengrab Fördeland-Therme?

Kreis sieht große Risiken für kommunale Haushalte / Bad-Geschäftsführer Witt widerspricht Gutachtern und erwartet deutlich geringeres Defizit

Glücksburg

Die Fördeland-Therme in Glücksburg könnte die kommunalen Kassen weitaus stärker belasten als bisher angenommen. Kreispolitiker fürchten, dass die Therme inklusive der erforderlichen Abschreibungen in diesem Jahr einen Verlust von über einer Million Euro erwirtschaften wird. Landrat Bogislav-Tessen von Gerlach wollte diese Zahlen gestern weder bestätigen noch dementieren. Der Geschäftsführer der Therme, John Witt, zugleich Flensburger Stadtrat für Glücksburg, bestritt die Höhe des Defizits jedoch. Er bezifferte den Verlust auf 300 000 Euro.

Den Anlass für die Sorgen der Kreispolitiker liefert ein neues Gutachten, das im Auftrag des Wirtschaftsministeriums erstellt worden ist. Die Gutachter befassten sich darin mit der Konkurrenzsituation der tourismusrelevanten Bäder im Norden Schleswig-Holstein, insbesondere in Bezug auf die in Schleswig geplante Gesundheitstherme. Die Studie aus Kiel stellt der Glücksburger Einrichtung kein gutes Zeugnis aus. Kritisiert werden eine "problematische Umkleidesituation, prekäre Gastronomiebereiche und zu kleine Ruhebereiche." Das Fazit: Die Erwartungshaltung an eine Therme könne nicht erfüllt werden. Als besonders prekär stellen die Gutachter die Besucherzahl dar. Demnach sei allein im Jahr 2009 die für die Therme prognostizierte Besucherzahl von 250 000 Menschen nicht einmal zur Hälfte erreicht worden. Mehr noch: Mittelfristig fürchten die Experten, dass das neue Flensburger Campusbad der Therme in Glücksburg bis zu 25 Prozent der Besucher abjagen wird. Im Schleswiger Kreishaus hält man es nicht für abwegig, dass das Defizit die 1,4-Millionen-Euro-Marke erreichen könnte.

"Was die Fördeland-Therme anbelangt, bin ich desillusioniert", sagt Landrat von Gerlach. Konkrete Zahlen nennt er nicht. Aus dem Kreishaus ist jedoch zu vernehmen, dass verschiedene Szenarien durchgerechnet werden. Sollte das Defizit der Therme tatsächlich schwindelerregende Höhen erreichen, könne Glücksburg maximal 400 000 Euro aus der Kreiskasse als Verlustausgleich erwarten.

Von derart hohen Summen geht John Witt nicht aus. Nach seiner Aussage ist die Lage der Therme keinesfalls so düster wie sie von Gutachtern und Kreispolitikern gesehen wird. Nach dem hastigen Rückzug des Betreibers Deyle als Folge der erwachsenden Konkurrenz auf dem Flensburger Campus habe man alle Bereiche des Glücksburger Bades optimiert. Dadurch seien die laufenden Kosten um rund 25 Prozent gesenkt worden. Zugleich seien die Besucherzahlen bislang stetig steigend - bis auf 170 000 im vergangenen Jahr.

Das habe sich auch in der Bilanz positiv niedergeschlagen, sagte Witt gestern - so sehr, dass er für das laufende Geschäftsjahr im operativen Geschäft eine "schwarze Null" erwartet. Dass das allein nicht ausreicht, weiß Witt jedoch auch. Denn selbst, wenn der Betrieb in diesem Jahr keine Verluste einfahren sollte, drückt nach wie vor die Abschreibung. Die Belastung beziffert der Geschäftsführer der städtischen Betreibergesellschaft auf 300 000 Euro. Das bedeutet, dass entsprechend der bestehenden Verträge die Stadt Glücksburg einen Anteil von 60 000 Euro berappen, die Stadt Flensburg 20 000 Euro und der Kreis die restlichen 220 000 Euro tragen müsste, sofern nicht die Umlandgemeinden einen Teil davon übernehmen.

Der Aufsichtsrat der Thermen-Betreibergesellschaft will das Problem offensiv angehen und hat bereits einen Planungsauftrag vergeben für eine mögliche Erweiterung der Fördeland-Therme. Geprüft werden die Kosten für eine Erweiterung. "Im Wellness-Bereich stoßen wir bereits an unsere Kapazitätsgrenze", erklärt Witt. Nach seinen Angaben erwirtschaftet dieser bereits 40 Prozent des Gesamtumsatzes der Therme. Diese Entwicklung soll mit zwei weiteren Saunen, größeren Ruhezonen, erweiterter Gastronomie und großzügigeren Freiflächen vorangetrieben werden. Damit würden genau die Schwächen ausgemerzt, die in dem neuen Bädergutachten genannt werden.

Vor diesem Hintergrund sieht Witt derzeit weniger Überschneidungen mit dem vor drei Monaten eröffneten und nur wenige Kilometer entfernten Campus-Bad als vielmehr mit der geplanten Therme in Schleswig. Das Campusbad habe der Fördeland-Therme bisher kaum geschadet, aber mit Schleswig würde es sehr große Überschneidungen geben, sagt Witt. "Wellness ist Wellness - egal, ob ich Solewasser habe oder nicht."

Dirk Jennert Hannes Harding


Zum Bädergutachten


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