Fördeland Therme Glücksburg

Presse Fördeland Therme Glücksburg


Flensburger Tageblatt 02.12.2010

"Notfalls müssen Bagger anrollen"

Defizit der Fördeland-Therme: Welchen Weg will die Kreispolitik einschlagen?

Glücksburger präsentieren ihr Konzept am 15. Dezember

Schleswig-Flensburg

Wie soll es weitergehen mit der Fördeland-Therme in Glücksburg? Diese Frage wird zwischen Glücksburg und Schleswig derzeit heiß diskutiert. Während die Stadt Glücksburg - beziehungsweise die städtische Betreibergesellschaft - angesichts des Defizits aus dem laufenden Geschäftsbetrieb von rund 800 000 Euro in diesem Jahr versucht, Konzepte für eine bessere Zukunft zu entwickeln, sucht die Kreispolitik ihrerseits nach Wegen aus der Krise. Dabei liegt der Fokus weniger auf einer Optimierung des Thermenbetriebs als vielmehr darauf, die Beteiligung des Kreises an der Defizitabdeckung zu begrenzen. Am weitesten wagt sich schon jetzt SPD-Fraktionschef Ingo Degner aus der Deckung. Notfalls müsse die Therme sterben, sagt er.

Auf Grundlage der bestehenden Verträge müsste der Kreis jährlich rund zwei Drittel des Thermendefizits tragen. Für Degner unmöglich. Wenn der Kreis in den kommenden Jahren stetig hohe Millionensummen sparen müsse, um seinen Haushalt nicht aus den Fugen geraten zu lassen, dann sei es schlichtweg nicht drin, jährlich sechs- oder gar siebenstellige Beträge nach Glücksburg zu überweisen. Deshalb ist für Degner klar: "Keinen einzigen Euro soll der Kreis für die Therme bezahlen. Wir werden den Finger dafür nicht heben. Notfalls müssen eben die Bagger anrollen." Dass das in absehbarer Zeit nicht möglich ist, weiß auch der SPD-Fraktionschef, dennoch betont er eine Schließung der Therme als Ultima Ratio für den Fall, dass es die Stadt Glücksburg nicht schafft, das Defizit deutlich zu reduzieren und selbst zu tragen.

Denn selbst tragen werde die Stadt die Belastungen müssen - das steht für Degner außer Frage. Der zeitliche Horizont: zwölf Jahre. So lange zumindest muss die Therme noch betrieben werden, will man nicht Gefahr laufen, dass das Land die gezahlten Fördermittel für den Bau der Therme in Millionenhöhe zurückfordert. Um Forderungen Glücksburgs abzuwehren, wäre Degner auch bereit, den Rechtsweg zu beschreiten.

Diesen Weg würde die CDU nicht mitgehen. Fraktionschef Ulrich Brüggemeier: "Es wäre besser, wenn die kommunale Familie das selbst aushandelt. Wenn man Verträge hat, muss man die auch einhalten." Allerdings werde der Kreis sicher nicht in der Größenordnung für die Verluste der Therme einspringen können wie es sich die Stadt Glücksburg wünsche, betont er. Vor allem sollte kein Geld vom Kreis in künftige Investitionen - wie etwa die geplante Aufwertung des Saunabereiches - fließen. Bis zur Hauptausschuss-Sitzung im Kreishaus am 15. Dezember, bei der Glücksburger Vertreter ihre Vorstellungen darlegen werden, will sich die CDU-Fraktion positionieren.

SSW-Fraktionschefin Gudrun Lembke erklärt: "Wir sind mit der Lage ziemlich unglücklich. Der SSW hat damals gegen das Bad gestimmt - aber das hilft uns heute nicht weiter." Jetzt müsse der Kreis dafür sorgen, dass er nicht jahrelang hohe Summen zahlen muss. "Wir haben so viele andere Probleme im sozialen Bereich. Das ist einfach wichtiger."

"Bis an die Schmerzgrenze" sei sie bereit, für die Glücksburger Therme zu gehen, erklärte die Grünen-Fraktionschefin im Kreistag, Barbara Schwaner-Heitmann, ließ aber offen, wo diese finanziell zu verorten wäre. Eine Schließung des Bades wäre aus ihrer Sicht eine "unvorstellbare Ressourcenverschwendung". Es müsse jetzt darum gehen, Ideen zu entwickeln, wie man das Defizit verringern und den Betrieb des Bades sichern könne, sagte sie. "Ich habe als Kind für das Flensburger Hallenbad gesammelt", erinnert sie sich. Jetzt sei in Glücksburg bürgerschaftliches Engagement gefordert.

Auch die FDP steht zu den vertraglichen Verpflichtungen zwischen Glücksburg und dem Kreishaus - so sie denn einer juristischen Prüfung standhalten. Das erklärt Liberalen-Fraktionschef Carsten-Peter Brodersen. Eine "nicht limitierte Risikoabdeckung durch den Kreis" sehe er allerdings "sehr kritisch".

Linken-Fraktionschef Manfred Küter wartet gespannt auf die konzeptionellen Überlegungen und Forderungen aus Glücksburg. Ungeachtet dessen sehe auch er die Notwendigkeit einer juristischen Prüfung, wie der Kreis aus dem Vertrag über die Defizitabdeckung herauskommen könne. "Auf Dauer kann man sich nur erlauben, was man sich auch leisten kann", sagt Küter, das gelte gleichermaßen für den Kreis wie die Stadt Glücksburg. Notfalls müsse man eine Insolvenz in Kauf nehmen, dann allerdings sehe er eine moralische Verpflichtung beider Seiten, sich für die betroffenen Mitarbeiter einzusetzen.

hg


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