Fördeland Therme Glücksburg

Presse Fördeland Therme Glücksburg


Flensburger Tageblatt 14. November 2006

Pacht-Rückstände: Bad-Betreiber Deyle verklagt

Verklagt wegen nicht gezahlter Pacht und Rechnungen für die kürzlich zwangsweise geschlossene Vital-Therme - so sieht die Lage des Bad-Betreibers Deyle in Oberstdorf aus. Die beiden Projekte des Stuttgarter Unternehmens in der Region, in Glücksburg und auf Sylt, sollen finanziell auf sicherem Fundament stehen.

Glücksburg/Keitum

Pachtrückstände von zwölf Monaten, gravierende Wartungs- und Hygiene-Mängel sowie unbezahlte Rechnungen: Wenige Monate vor Eröffnung der Fördeland-Therme in Glücksburg ist deren Erbauer und Betreiber, die Stuttgarter Deyle-Gruppe, an einem anderen Standort in schweres Fahrwasser geraten. Die Marktgemeinde Oberstdorf hat daraufhin die Reißleine gezogen, die Verträge mit dem Betreiber ihrer Vital-Therme, der Starwaters Deyle Gruppe, zum 31. Oktober gekündigt und sie aufgrund der Zahlungs-Rückstände verklagt.

"Seit längerer Zeit wurden die fälligen Pachtzinsen und Kosten für bezogene Energie nicht mehr gezahlt, darüber hinaus wurden die hygienischen Zustände von verschiedenen Ämtern gerügt", heißt es in einer Mitteilung vom 25. Oktober, mit der sich die Oberstdorfer Kurverwaltung bei ihren Gästen entschuldigt. Das Bad musste wegen der Mängel zum 1. November geschlossen werden. Den Stammgästen möchte Oberstdorf die Gültigkeit ihrer Dauerkarten garantieren. Doch das ist nicht möglich. "Der Pächter ist nicht bereit, uns die Adressen zur Verfügung zu stellen und hat zudem versucht, in einer Nacht- und Nebelaktion Daten und Inventar widerrechtlich zu entfernen", teilt Urs Kamber, Tourismus- und Sportdirektor mit.

Die Vital-Therme soll mit einem neuen Pächter wieder eröffnet werden. Doch derzeit belastet die Zuständigkeit für das marode Bad mit Millionen schwerem Investitionsstau die Kommune. Eine Situation, die man sich in Glücksburg und auch auf Sylt, wo die Deyle-Gruppe demnächst mit dem Bau der Keitum-Therme beginnen wird, ersparen möchte. In beiden Orten gab es heftige Kritik - an den Projekten und auch am Unternehmen Deyle. Am mit öffentlichen Millionen geförderten Bau verdienen, das finanzielle Risiko für den Betrieb, der jeweils mit ausgeschrieben wurde, den Kommunen überlassen - so lautete an Nord- und Ostsee der Tenor der Projekt-Gegner.

Was passiert, wenn auch im Norden der Republik Pacht- und Energie-Kosten über längere Zeit nicht gezahlt werden?" Wir sind auf der sicheren Seite", sagt Glücksburgs Bürgermeister John Witt. Denn in diesem Fall würde eine von Deyle hinterlegte selbstschuldnerische Bankbürgschaft von 500 000 Euro greifen. Damit könne die Fördeland-Therme länger als ein Jahr betrieben werden. Ist die Bürgschaft allerdings aufgebraucht, werden über einen vertraglich festgelegten Schlüssel nicht nur die Stadt Glücksburg, sondern auch Flensburg und der Kreis Schleswig-Flensburg zur Kasse gebeten. "Wir arbeiten mit Deyle seit fünf Jahren gut zusammen und gehen davon aus, dass die vertraglichen Vereinbarungen auch erfüllt werden", sagt Witt. Der Bau des Erlebnisbades sei bisher problemlos verlaufen.

An einer hochwertigen Ausstattung der Fördeland-Therme werden von Sylter Seite allerdings Zweifel gehegt. "Für die gleiche Summe wird in Glücksburg eine vier Mal so große Anlage wie in Keitum gebaut. Wie das geht, wollen wir uns bald vor Ort anschauen", sagt Uwe Winter, Kurdirektor von Sylt-Ost. Die Entwicklung in Oberstdorf bezeichnet Winter als "keinen schönen Abgang". Die Keitum-Therme wird nach ihrem Bau von einer Gesellschaft betrieben, in der 65 Prozent der Anteile von Sylt-Ost und nur 35 Prozent von Deyle gehalten werden. Doch für Beruhigung sorgen auf der Insel ebenfalls eine Bürgschaft und die Nachforschungen von Staatssekretär Heinz Maurus.

"Wir haben die Pachtzahlung eingestellt, weil Oberstdorf seine vertraglichen Verpflichtungen nicht eingehalten hat", sagt Firmen-Inhaber Uwe Deyle. Die Pachtsumme sei zudem wegen des maroden Zustands des Bades nicht erwirtschaftbar gewesen. Das Stuttgarter Unternehmen hat die Vital-Therme im Juli 2004 übernommen. "Weil uns Oberstdorf darum gebeten hat", sagt Uwe Deyle. Nur aus Gefälligkeit übernimmt demnach ein so erfahrener Bad-Erbauer und Bad-Betreiber wie die Deyle-Gruppe eine Therme, die wirtschaftlich nicht mehr zu betreiben ist? "Auf diese entscheidende Frage hätten wir auch gerne eine Antwort", sagt Winter. "Wir haben den baulich technischen Zustand nur aus der Sicht eines Badegastes bewertet", sagt Uwe Deyle. Mehr habe der Vorpächter nicht zugelassen. Mittlerweile hat auch Deyle die Marktgemeinde Oberstdorf verklagt. "Deyle versucht nun uns die Schuld an der Schließung in die Schuhe zu schieben", sagt Urs Kamber. Wer die Kosten und Verantwortung für den dortigen Bad-Super-Gau übernehmen muss, werden nun die Gerichte klären müssen.

ANJA WERNER


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