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Flensburger Tageblatt 17. August 2000

"Waikiki-Alternativen prüfen"

Glücksburg

Nach den Plänen der Stadt Glücksburg sollen bereits im September die baurechtlichen Voraussetzungen für ein Spaß- und Erlebnisbad geschaffen werden. Michael Weilandt vom Bundesverband öffentliche Bäder indes warnt vor den Risiken einer privaten Investition. Auf jeden Fall müssten Alternativ-Angbote eingeholt und geprüft werden, sagt der Experte, der auf Einladung der Stadt Glücksburg vor kurzem auch im nicht öffentlichen Hauptausschuss referierte.

Interview: Seite 15

Bäder-Experte Michael Weilandt über das geplante "Waikiki" in Glücksburg

"Großes Bad verursacht erhebliche Kosten"

Die Pläne fur ein Spaß- und Erlebnisbad in Glücksburg werden zügig voran getrieben. Geht es nach dem Willen der Stadt, sollen bereits im September die baurechtlichen Voraussetzungen für eine 40-Millionen-Mark Investition im Ostseebad geschaffen werden. Im Gespräch mit Ole Michel warnt Michael Weilandt (Bundesverband öffentliche Bäder) vor den Risiken einer privaten Investition. Auf jeden Fall müssten Alternativen geprüft werden.
GLÜCKSBURG
(om)

Sie haben im nicht öffentlichen Hauptausschuss der Stadt Glücksburg gesagt, 300000 Besucher könnten Sie sich in dem geplanten Spaß-und Erlebnisbad vorstellen. Ist somit eine private Investition, so wie sie derzeit von der Stadtspitze favorisiert wird, aus Ihrer Sicht denkbar?

Weilandt: Mein Vortrag dauerte einschließlich Diskussion etwa eine Stunde. Die Aussage, die sich auf das mögliche Besucherpotential bezog, war die einzige, die ich unter starken Vorbehalten vortrug. Ich hatte auf der Grundlage einer groben Einzugsgebiets-Bestimmung in der Tat ohne Berücksichtigung der Urlaubsgäste ein Potential von etwa 300000 Besuchern geschätzt und führte in der Sitzung aus, dass unter dieser Voraussetzung Glücksburg für einen privaten Investor interessant sein könnte. Ich habe aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass hier noch eine eingehende Prüfung erforderlich ist. In der übrigen Zeit ging es vor allem um die Risiken, die einer Stadt erwachsen können, wenn sie bei der Auswahl eines privaten Partners nicht aufpasst.

"Badgröße muss zur Stadt passen"

Welche Risiken sind hier konkret gemeint?

Weilandt: Bei keinem Unternehmen kann vollständig ausgeschlossen werden, dass der wirtschaftliche Erfolg ausbleibt. Für eine Stadt wie Glücksburg wäre die Pleite des einzigen Bades, gerade vor dem Hintergrund der Bedeutung für den Tourismus, verheerend.

Glücksburg braucht ein neues Bad: Das eben angesprochene Risiko wäre auch bei einem kleineren Bad gegeben.

Weilandt: Ein großes Erlebnisbad verursacht gewaltige Betriebskosten, die nur durch hohe Eintrittspreise wieder hereingeholt werden können. Die Stadt, die dieses Bad aus der Konkursmasse des privaten Unternehmers übernehmen würde, hätte Schwierigkeiten, als kommunaler Dienstleister einen Eintritt von 25 Mark oder mehr zu nehmen. Bei den üblichen sozial verträglichen Eintrittspreisen, bei Freizeitbädern zwischen zehn und zwölf Mark, könnte sich das Defizit leicht verdoppeln. Die Stadt hätte in diesem Fall die Wahl, ohne Bad, dafür mit einer Investitionsruine, dazustehen oder einen höheren Zuschuss an den Privatbetreiber zu zahlen.

Ein Schreckens-Szenario: Was sollte die Stadt ihrer Ansicht nach machen, um sich davor zu schützen?

Weilandt: Es ist zwingend erforderlich, dass ein privater Anbieter eine solide, langfristige Wirtschaftlichkeitsberechnung vorlegt, die den wirtschaftlichen Erfolg plausibel macht. Dies gilt vor allem, wenn der Anbieter das Bad auch plant und baut und damit schon Millionen verdient.

Ist der Bundesfachverband öffentliche Bader e. V. nicht von kommunalen Badbetreibern geprägt? Ist der Verband überhaupt offen für neue Ideen privater Investoren?

Weilandt: Wir sind sogar sehr offen für privates Engagement im Bäderbereich. Einige dieser Anbieter sind Mitglied in unserem Verband. Und der Vorsitzende des Verbandes der - überwiegend -privaten Spaßbäder ist Mitglied unseres erweiterten Vorstandes. Wir haben nichts gegen private Interessen, sofern sie im Rahmen eines vollständig ausgearbeiteten Bäderkonzepts und nach eingehender Prüfüng verschiedener Angebote ausgewählt werden. Wenn in einer Stadt ein Privatunternehrner sein Geld mit einem Bad verdient und gleichzeitig das Defizit für die Kommune gesenkt wird, ist das nur zu begrüßen.

Sie sprechen die Notwendigkeit eines Bäderkonzepts an. Was gehört in ein solches Konzept?

Weilandt: Zunächst muss das Besucherpotential bestimmt und der Bedarf an Wasserflächen und Zusatzeinrichtungen ermittelt werden. So muss neben der Größe des Bades festgelegt werden, ob es sich um ein Sportbad, ein Freizeitbad mit der Möglichkeit sportlicher Nutzung oder ein reines Erlebnisbad handeln soll. Danach wird ein Betriebskonzept erstellt, auf dessen Grundlage die bauliche Gestaltung entschieden wird. Das Bad muss in Größe und Ausrichtung in die Stadt passen.

Ein wichtiger Punkt ist die Wirtschaftlichkeitsberechnung, die bei einem ungünstigen Ergebnis eine neue Runde an Überlegungen erforderlich machen kann. Wenn die Stadt ihre Vorstellungen konkretisiert hat, kann sie neben der Entwicklung der kommunalen Variante auch Angebote verschiedener privater Anbieter einholen.

Bürgermeister Petersen betont immer wieder, dass er seit über zehn Jahren nach einem Investor gesucht hat. Medicoplan ist der einzige Projektplaner, der sich in Glücksburg engagieren möchte.

Weilandt: Dem Argument, die Investoren würden in Glücksburg schließlich nicht Schlange stehen, muss man die Frage entgegensetzen, ob dies nicht auch einen Grund haben könnte. Mit dem Wellenbad steht es tatsächlich nicht zum Besten, daher drängt die Zeit. Dies darf aber keine Grund sein, das erste Angebot übereilt anzunehmen. Kein Mensch würde sich ohne Vergleichsangebote einen Kühlschrank kaufen. Vielmehr müssen verschiedene Angebote privater Anbieter eingeholt und mit Hilfe von externen Fachleuten intensiv geprüft werden. Dabei ist es ganz wichtig, die kommunale und die private Lösung parallel zu untersuchen. Damit verliert die Stadt keine Zeit, falls sich kein geeigneter Anbieter findet.

"Verschiedene Angebote prüfen"

Unternehmer der Region, wie die Stadtwerke Flensburg, hgben ihr Interesse bekundet, an der Verwirklichung des Bades mitzuwirken. Sollte man die Chance nicht nutzen, die öffentliche Hand zu entlasten, wenn es auch ohne Landes- und kommunale Mittel funktioniert?

Weilandt: Das sollte man tun, wenn sichergestellt ist, dass die Interessen der Stadt gewahrt bleiben und das Risiko überschaubar bleibt. Die Kooperation mit privaten Partnern, wie zum Beispiel das "Contracting" mit Stadtwerken, ist auch für ein kommunales Freizeitbad eine wichtige Option.

Glücksburg verfügt nicht über die finanziellen Mittel, um ein Bad in Eigenregie zu bauen. Selbst wenn das Land helfen würde, kämen auf das Ostseebad Investitionskosten in Millionenhöhe zu.

Weilandt: Die genaue Höhe der Investitionen bei einer kommunalen Lösung muss ja erst noch ermittelt werden. Man sollte hier aber nicht von Baukosten um 40 Millionen Mark ausgehen, ein Bad in städtischer Regie kann bei einem guten Leistungsangebot auch etwas bescheidener ausfallen. Über die Verwendung von Mitteln für die kommunale Infrastruktur entscheiden letztlich die Politiker. Das ist dann auch eine Frage politischer Schwerpunktsetzungen. In Wirklichkeit geht es ja auch gar nicht um die absolute Investitionssumme. Bei kaufmännischer Rechnung lässt sich die jährliche Belastung einfach ermitteln. Zusarnmen mit dem Betriebsergebnis des Bades ergibt sich ein Gesamtzuschuss, der die Grundlage für eine politische Entscheidung sein muss.

Der Projektplaner sagt, eine seriöse Wirtschaftlichkeitsberechnung sei erst möglich, wenn die baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Erst dann wüsste er, welche Kosten, zum Beispiel für Auflagen, auf ihn zukommen.

Weilandt: Ich kenne Dutzende von seriösen Wirtschaftlichkeitsberechnungen, die vor der Änderung von baurechtlichen Voraussetzungen erstellt worden sind. Das Argument, eine Wirtschaftlichkeitsberechnung könne erst danach vorgelegt werden, ist Unsinn. Die Fakten müssen auf den Tisch, erst dann können weit reichende Entscheidungen über die zukünftige Flächennutzung und die Bebauung einer Stadt getroffen werden. Dies ist in Deutschland ein ganz normaler Vorgang und sollte keine seriösen Anbieter überfordern.


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