Keitum Therme

Presse Keitum Therme, Sylt-Ost (Planung: Uwe Deyle)


Quelle: Sylter Spiegel Online 27.07.2010

Interview mit Bürgermeisterin Petra Reiber im SYLTfunk:

"Ich würde die Bauruine am liebsten wegsprengen!"

Westerland/Tinnum. Petra Reiber, die Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt, war vergangene Woche zu Gast bei dem neuen Inselsender SYLTfunk - Söl´ring Radio und hat sich unter anderem zu dem leidigen Dauerthema "Keitum-Therme" geäußert. Wir dokumentieren im Folgenden ihre Einschätzungen zu Sachstand und Perspektiven des Bauwerks, das für Einheimische wie für Urlauber als der Schandfleck der Insel gilt.

Frage des SYLTfunk-Moderators Ralf Huber: Einer der herausragenden Orte auf Sylt ist Keitum, ein altes und wohlhabendes Kapitänsdorf mit viel Reet und wunderbaren alten Häusern. Wir senden seit dem 5. Juli und immer wieder sind wir mit Gästen ins Gespräch gekommen, die seit Jahren Keitum-Urlauber sind und die gefragt haben: wisst ihr vom Radio eigentlich, diese Ruine da, wo mal ein Bad gebaut werden sollte, wie lange steht die da eigentlich noch? Das ist ja eine Schande für dieses Dorf und es ist ganz fürchterlich hässlich. Diese Frage übergebe ich jetzt einfach mal an Petra Reiber: Wann und wie geht es weiter mit dieser Bauruine?

Petra Reiber: Also ich würde diese Bauruine am liebsten morgen wegsprengen - aber Spaß bei Seite: die Bauruine Keitum-Therme ist eine Altlast, die ich von der ehemaligen Gemeinde Sylt-Ost nach der Fusion geerbt habe und die mir am meisten Kopfzerbrechen bereitet. Wir haben schon einen langen Prozess geführt gegen den Investor und haben zuerst einmal versucht, unseren Besitz wieder zu erlangen, aber auch die Möglichkeiten geprüft, einen Schadensersatzprozess gegen die beteiligten Baufirmen zu führen.

Man muss sagen, das ist ein öffentliches Projekt, damals in Form eines so genannten PPP-Modells [Public Private Partnership, Öffentlich-Private Partnerschaft - die Red.] ins Leben gerufen, das auf Sylt die meisten Steuergelder verschlungen hat. 15 Millionen Steuergelder wurden hier förmlich in den Sand gesetzt - und das ist ein unhaltbarer Zustand.

Wir sind im Moment dabei, durch einen vereidigten Sachverständigen den Bauzustand prüfen zu lassen, um dann in einem darauf folgenden Schadensersatzprozess sagen zu können: wo haben welche Baufirmen Fehler gemacht, wo ist mangelhafte Arbeit geleistet worden?

Nach einem ersten Eindruck, den ich mir persönlich verschaffen konnte, muss ich sagen, so wie der Baukörper da steht, ist er wohl nicht nutzbar. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass unsere politischen Gremien sagen werden, es soll dort noch einmal eine Keitum-Therme errichtet werden, so wie sie damals geplant war. Denn wir müssen jetzt als eine Kommune denken, wir haben ja fusioniert. Wir haben die Sylter Welle mit ihren Außenbecken. Ich glaube nicht, dass wir uns vor dem Hintergrund unserer angespannten Haushaltslage zwei Freizeitbäder werden leisten können.

Ich muss dazu sagen, dass auch die Kalkulation der damaligen Keitum-Therme fehlerhaft war. Hier ist einiges schön gerechnet worden. Wenn wir heute die Therme so fertigstellen würden, wie sie damals geplant war, hätten wir mit Sicherheit ein jährliches Defizit in Millionenhöhe.

Ob man dort in Zukunft ein Freibad betreibt oder wie sonst eine Nachfolgenutzung erfolgen kann - das sind Fragen, mit denen sich jetzt die politischen Gremien beschäftigen. Es hat sich dazu auch ein Arbeitskreis gebildet, der intensiv und kreativ darüber nachdenkt, was auf diesem Sahnegrundstück entstehen könnte, um es einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Natürlich sollen auch die Gäste was davon haben. Man muss sehen, wie man die Interessen in Einklang bringt. Aber ich sag mal so: ich wäre heute schon froh, wenn ich im Wege eines Schadensersatzprozesses die überzahlten Millionen, die vielen Steuergelder, wieder zurückholen könnte. Es wird allerdings nicht so sein, dass in einem überschaubaren Zeitraum da was Neues steht.

So ein Schadensersatzprozess wird sicherlich mindestens ein bis zwei Jahre dauern, denn die Sachlage ist hoch kompliziert. Wir haben ja auch nebenbei noch ein Insolvenzverfahren gegen die Betriebs KG, also quasi den Investor. Das bereitet uns ebenfalls gewisse Sorgen, denn das wird zu Zeitverzögerungen führen. Es wird sich kurzfristig, aber möglicherweise auch mittelfristig an dieser Situation wohl nichts ändern. Denn wie gesagt: es ist wichtiger, dass wir diese Gelder zurückbekommen. Aber ich denke und hoffe auch, dass ich das noch erleben werde in dieser Amtszeit, und dass wir da ein ordentliches Objekt hinstellen.

Ralf Huber: Also das, was da jetzt momentan steht, scheint ja wirklich eine Bauruine zu sein. Kann man das alles wirklich nicht mehr nutzen, um dort etwas anderes oder Neues zu installieren?

Petra Reiber: Also es ist so, dass dieser Rohbaukörper von dem damaligen Bauherren und von den Baufirmen nicht abgesichert worden ist. Und er hat jetzt zwei Winter überlebt, der letzte Winter war mit langen Frostperioden behaftet. Schon allein deshalb sind Schäden entstanden, es sind aber auch während der Bauphase schon Mängel entstanden. Wir prüfen derzeit, ob die bereits erstellten Wasserbecken, die durchaus für ein Freibad geeignet wären, überhaupt dicht sind. Also ob die Fundamente und auch die Abwasser- und Zuwasserleitungen in Ordnung sind. Wenn das der Fall sein sollte, dann könnte die Entscheidung in den politischen Gremien vielleicht in die Richtung gehen, tatsächlich hier ein Freibad zu betreiben.

Man muss sich das aber genau überlegen, weil man dann in Keitum eine neue Bäder-Infrastruktur aufbauen müsste, die wir in Westerland ja bereits haben. Das wird keine einfache Entscheidung für die Politik. Und auch für uns ist ganz wichtig und das ist auch mein Eindruck in der politischen Landschaft überhaupt: solche Grundstücke, die im Gemeindeeigentum stehen, sollten an Privat nicht veräußert werden. Denn diese Grundstücke sind so wichtig, so wertvoll für uns, die sollten der Allgemeinheit vorbehalten bleiben oder zumindest der Allgemeinheit geöffnet werden. Und von daher ist es um so schwieriger, hier eine gute Idee zu haben, was man mit diesen Grundstück machen kann, damit die Gemeinde hier in Zukunft nicht noch mehr Geld verliert.

Anmerkung: das Interview wurde redaktionell bearbeitet und leicht gekürzt.


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