Keitum Therme

Presse Keitum Therme, Sylt-Ost (Planung: Uwe Deyle)


Quelle: Sylter Rundschau 07.11.2007

Keitum-Flyer: Ein Fall für die Kommunalaufsicht

Weil die grafische Gestaltung des zehnseitigen "Zeitplans zu den baulichen Veränderungen in Keitum" von der Firma Schmatloch Werbung übernommen wurde, interessiert sich jetzt auch die Kommunalaufsicht für den Flyer. Wer Entwurf und Produktion der 5 000 Faltblätter bezahlt, ist weiter unklar.

Sylt-Ost
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rik

- Wer hat ihn in Auftrag gegeben? Wer hat ihn bezahlt? Waren die Gremien der Gemeinde informiert? Und ist es in Ordnung, dass eine Gemeinde einen Flyer von einer Werbeagentur gestalten lässt, die den Namen ihres amtierenden Bürgermeisters trägt? Auch gut drei Monate nach dem Erscheinen der zehnseitigen Übersicht "Zeitplan der baulichen Veränderungen in Keitum", stehen diese Fragen im Raum - und werden von den unterschiedlichen Akteuren unterschiedlich beantwortet:

Der amtierende Bürgermeister Christoph Schmatloch hatte in den Gemeindevertretersitzungen am 4. Oktober und 1. November erklärt, Thermen-Investor Uwe Deyle habe den Flyer in Auftrag gegeben und werde ihn auch bezahlen. Dazu sei er, so heißt es im Protokoll der Oktober-Sitzung, vertraglich verpflichtet.

Deyle weiß davon nichts und antwortete gestern auf Nachfrage unserer Zeitung: "Es besteht für uns keine vertragliche Verpflichtung, Infomaterial zum Bauvorhaben Keitum Therme erstellen zu lassen (…) Wir wissen nicht, wer den Flyer ’Baustellen Sylt-Ost’ beauftragt oder ausgeführt hat, wir haben hierzu keine Zahlungen geleistet und auch keine Rechnungen erhalten." Auch die im Sitzungsprotokoll vom 4. Oktober notierte Ankündigung, die Kosten würden nach Herausgabe eines zweiten Flyers "über die Kurverwaltung an Deyle in Rechnung gestellt", verwundert den Investor. Denn obwohl man nie sagen könne, was die Zukunft bringen werde, bezahle man ja eigentlich nichts, was man nicht auch in Auftrag gegeben habe.

Die Frage, wann welche Gremien der Gemeinde über den Flyer informiert waren (laut Schmatloch habe der Kurausschuss diesen freigegeben) und was er überhaupt gekostet hat, lässt Sylt-Osts Kurdirektor Uwe Winter gerade prüfen. Die Kurausschussvorsitzende Cornelia Kamp verweist darauf, dass ihre Kollegen und sie lediglich einen Entwurf vorgelegt bekommen hätten: "Der war schwarz-weiß und wir hatten nicht mal genug Zeit, ihn durchzulesen." Das Protokoll der Kurausschusssitzung vom 23. Mai 2007 unterstreicht explizit, dass es sich um einen "Entwurf" gehandelt habe.

Bleibt der Punkt "Beteiligung der Agentur Schmatloch Werbung", die laut Internet zum Tourismus Service Sylt gehört und deren Geschäftsführerin die Lebensgefährtin des amtierenden Bürgermeisters ist. Obwohl die Sylt-Oster Kurverwaltung einen Vertrag mit der Firma M & T Grafik Design aus Neumünster über die Erstellung von Drucksachen hat, übernahm laut Winter die Agentur Schmatloch die grafische Umsetzung des Flyers.

Ein Aspekt für den sich jetzt auch die Kommunalaufsicht in Husum interessiert. Deren Sprecher Martin Slopianka verweist als Begründung auf Paragraf 22 der Gemeindeordnung: Danach ist es nicht zulässig, dass Ehrenämtler in Angelegenheiten tätig werden, die ihren Lebenspartnern "einen unmittelbaren Vorteil" bringen können. Ob dies für den Keitumer Baustellen-Flyer gilt, wird laut Slopianka jetzt vom Kreis geprüft.

Und was sagt der amtierende Bürgermeister zu all diesen Fragen und ihren unterschiedlichen Antworten? In der Gemeindevertretersitzung vergangene Woche hatte Schmatloch bereits eingeräumt, dass sein Verhältnis zu Investor Deyle inzwischen wegen mehrerer Meinungsverschiedenheiten "sehr angespannt" sei. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte er gestern nur, er werde in dieser Angelegenheit jetzt einen Rechtsanwalt einschalten.


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