Keitum Therme

Presse Keitum Therme, Sylt-Ost (Planung: Uwe Deyle)


Quelle: Sylter Rundschau 07.03.2009

Keitum-Therme: Petra Reiber wirft dem Land Versagen vor

Schonungslos ging Petra Reiber in ihrer Wahlkampfrede am Donnerstag mit den Verantwortlichen für das Keitumer Thermen-Desaster ins Gericht. Investor Uwe Deyle warf sie vor, die öffentliche Hand hintergangen zu haben, dem Land hielt sie Versagen bei der Begleitung der Gemeinde vor.

Westerland
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- Ein Jahr nach dem endgültigen Baustopp und zwei Monate nach Übernahme der Sylt-Oster Verwaltungsgeschäfte hat Petra Reiber als beauftragte Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt erstmals öffentlich Schuldzuweisungen wegen des Thermen-Desasters ausgesprochen. Nach Durcharbeitung aller 15 (!) Verträge warf sie bei der Kandidatenvorstellung für die Bürgermeisterwahl (siehe Seite 11) so deutlich wie kein Verantwortlicher zuvor, dem Investor Uwe Deyle eine "perfide Vorgehensweise" beim Hintergehen der öffentlichen Hand und dem Land Versagen vor. Nicht nur die Rechts- und Wirtschaftsberater der seit 1. Januar mit Westerland fusionierten Gemeinde Sylt-Ost hätten versagt, "sondern auch die Aufsichtsbehörden und Zuschussgeber". Also Wirtschaftsministerium und Investitionsbank. Keine Kritik gab es hingegen an den damals handelnden Personen der Gemeinde - egal ob Bürgermeister, Verwaltung oder Gemeindevertreter.

Stattdessen Schelte für die Landespolitik, die bei der Neufassung der Gemeindeordnung keine Genehmigungspflicht für solche Vertragskonstrukte mehr vorgesehen habe. "Bei so hohem finanziellen Risiko auf der einen und einer ehrenamtlich verwalteten Gemeinde auf der anderen Seite halte ich das vom Landesgesetzgeber für unverantwortlich", so Reiber. "Jeder Bürgermeister, der keine fundierte juristische Ausbildung hat, ist bei so einem Vertragswerk überfordert."

So habe sich die Gemeinde keinerlei Sicherheiten einräumen lassen und jegliche Kontrollmöglichkeit aus der Hand gegeben, aber dennoch unabhängig vom Baufortschritt Millionen gezahlt, von denen man wegen mehrerer Forderungsabtretungen innerhalb des Unternehmensgeflechtes nicht wisse, wo sie gelandet seien.

Durch "eine schön gerechnete Betriebskalkulation" sei der Gemeinde zudem suggeriert worden, der Kapitaldienst für das von ihr aufgenommene Millionendarlehen ließe sich durch den Betrieb erwirtschaften. Tatsächlich würden die jährlichen Verluste der Therme bei Fertigstellung in die Millionen gehen. Reiber versprach, alles daran zu setzen, "nicht noch mehr Steuergelder sinnlos zu vergeuden" und kündigte an, in der kommenden Woche die Klage gegen Deyle auf Herausgabe des Grundstückes einzureichen.

Für sie kann es nur eine Konsequenz aus dem Desaster geben: "Es ist Zeit, dass wir die Spielregeln für die Nutzung unserer Flächen aufstellen und nicht die vorgeblichen Heilsbringer, die Erfolgsprojekte zum Wohl der Allgemeinheit versprechen, in Wahrheit aber die Gemeinden über den Tisch ziehen."


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