Keitum Therme

Presse Keitum Therme, Sylt-Ost (Planung: Uwe Deyle)


Quelle: www.sylter-spiegel.de 06.08.2008

Keitum-Therme: Verträge mit Deyle gekündigt

Keitum.(bk) Es war eine Überraschungssitzung, und das nicht nur für die Zuschauer, die sich am letzten Donnerstag im Friesensaal einfanden: Was hier zum Thema Keitum Therme genau auf den Tisch kommen sollte, wussten vorab nicht einmal die Gemeindevertreter. Warum die Sitzung mit verkürzter Ladefrist überhaupt einberufen wurde, erklärte Dr. Carsten Krage. Der Kieler Jurist und Insolvenzexperte, dessen Hilfe die Kommunalaufsicht der Gemeinde vor drei Wochen angeboten hatte (wir berichteten), hatte um den Termin gebeten. Nach nicht einmal 14 Tagen war er mit seiner Beurteilung der Sachlage so weit, der Gemeindevertretung seine Empfehlungen zu präsentieren. Und das wollte er so schnell wie möglich tun, denn Abwarten brächte seiner Meinung nach keine Verbesserungen, allenfalls könne die Lage durch äußere Umstände noch schwieriger werden.

Wie wichtig die Sitzung war, signalisierte schon das versammelte Berater-Team: Neben Landrat Dieter Harrsen, der launig verkündete, er habe sich viel Zeit genommen und würde, wenn nötig, auch über Nacht bleiben, flankierten sechs Rechtsanwälte den Sitzungstisch. Trotzdem wurde es für die Zuschauer ein ziemlich enttäuschender Abend, denn alles, was sie brennend interessiert hätte, wurde hinter verschlossener Tür diskutiert. Der Landrat bat gleich zu Beginn um Verständnis dafür: Öffentlich zu behandeln, was die Anwälte ausgearbeitet hatten, "wäre Harakiri", meinte Dieter Harrsen. Was alle hören durften, war dann auch nichts wirklich Neues. Dr. Krages Sachstandsbericht sah so aus: Man habe es mit einem Vertragswerk für "Schönwettersituationen", ohne Regeln für die jetzige Lage, mit einem erheblich verzögerten Terminplan und einer gescheiterten Finanzierungssituation zu tun. Bezahlt habe bisher nur die Gemeinde Sylt-Ost, und zwar viel zu viel, gemessen am Bauzustand. Der Wertzuwachs degegen läge derzeit allein bei der Betriebs-KG, sprich Uwe Deyle. Der Anwalt drückte das Gleiche noch einmal salopp und dafür ganz deutlich aus: "Das was da steht und von der Gemeinde bezahlt ist, gehört der Betriebs-KG."

Krage gab auch zu bedenken, dass der desolate Ist-Zustand bereits im Jahr zwei bei einer Vertragsdauer von immerhin 20 Jahren eingetreten ist. Bisher habe man sich immer nur auf das zeitlich begrenzte, jeweils nächste Problem konzentriert, auf das, was bisher bereits alles "in die Hose gegangen" sei. Aber auch in den späteren Phasen der Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und Deyle sah der Anwalt Probleme vorprogrammiert, und auch hierfür enthalten die Verträge seiner Einschätzung nach keine Regeln für den Konfliktfall. Darüber hinaus bemängelte der Experte die Vielfalt der Vertragsbeziehungen und den fehlenden Zugang zu "sicheren Informationen" und skizzierte schließlich die drei Handlungsmöglichkeiten, die die Gemeinde habe: 1. Die Fortsetzung des bestehenden Vertragsverhältnisses. Dazu müsse dann aber nachverhandelt werden, weil vieles einseitig zugunsten der Betriebs KG geregelt sei. 2. Die einverständliche Trennung von Uwe Deyle, entweder mit oder ohne Übernahme der Betriebs KG durch die Gemeinde bzw. einen möglichen Dritten. 3. Die einseitige Beendigung der Verträge durch die Gemeinde. Was für und gegen die einzelnen Möglichkeiten spricht, genau das sollten die Zuschauer der Sitzung nicht erfahren. Dass Dr. Karge allerdings nicht zu Möglichkeit 1 raten würde, klang deutlich genug durch seine Ausführungen hindurch.

Tatsächlich entschied sich die Gemeindevertretung im nichtöffentlichen Teil der Sitzung dann für Variante 3. Bürgermeister Erik Kennel setzte den Beschluss "den mit der Keitum Therme Sylt-Ost Betriebsgesellschaft mbH & Co KG geschlossenen Errichtungsvertrag vom 6.9.2006 sowie den am selben Tag geschlossenen Rahmenvertrag nebst Einzelverträgen ... mit sofortiger Wirkung zu kündigen" auf der Stelle (noch vor Ende der Sitzung) in die Tat um. Uwe Deyle kommentierte die Kündigung auf Anfrage unserer Zeitung denkbar knapp: "Konfrontation ist nie gut. Die Gemeinde hat die für sie schlechteste Entscheidung getroffen."

Autor/in: Barbara Kunze


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