Keitum Therme

Presse Keitum Therme, Sylt-Ost (Planung: Uwe Deyle)


Quelle: Sylter Rundschau 08.07.2008

Keitum Therme: Wo sind die Millionen?

Obwohl die Gemeinde bereits 10,5 Millionen Euro für die Keitum Therme gezahlt hat, beträgt der bisherige bauliche Gegenwert bislang bestenfalls 3,5 Millionen Euro. Weitere Zahlungen, wie sie Baufirma und Betriebs KG fordern, lehnt die Gemeinde daher ab. Mit juristischem Beistand will sie nun herausfinden, wo die fehlenden sieben Millionen geblieben sind und ob ein Weiterbau günstiger ist als der Stopp des gesamten Projektes. Seit einer Woche ruhen die Arbeiten.

Keitum

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- Mit der klaren Zielsetzung, bei der Keitum Therme für Transparenz zu sorgen und den Schaden für die Gemeinde zu minimieren hat die Sylter Wählergemeinschaft vor knapp drei Wochen das Ruder der Gemeinde in die Hand genommen. Gestern gaben der amtierende Bürgermeister Erik Kennel und Bürgervorsteher Dirk Ipsen einen ersten Zwischenbericht. Was sie bisher nur vermutet oder befürchtet hatten, haben sie nun - wenigstens teilweise - schwarz auf weiß: Das ursprünglich auf 15,5 Millionen Euro veranschlagte Bauprojekt entwickelt sich für die Gemeinde zu einem Millionen-Grab.

10,5 Millionen Euro hat die Gemeinde bislang für die Therme gezahlt - 8,5 Millionen an die Betriebs KG (Deyle) und zwei Millionen für den Vergleich im Schiedsverfahren mit der Arge. "Der Wert des Rohbaus wird von Fachleuten mit drei bis dreieinhalb Millionen Euro bewertet, unabhängig davon, ob und in welchem Umfang der Bau mit Mängeln behaftet ist", erklärte Kennel gestern Nachmittag. Nachdem die Betriebs KG weitere 3,3 Millionen angefordert hat, hatte die Gemeindevertretung vergangene Woche beschlossen, vorerst keine weiteren Zahlungen zu leisten. Bereits zuvor wurde beschlossen, mit der Betriebs KG über deren Ausstieg aus dem Projekt zu verhandeln. Wo der Differenzbetrag geblieben ist und wie es mit dem Projekt - ob mit oder ohne Deyle - weitergehen soll, ist derweil noch völlig unklar.

Klar ist lediglich, dass die Bautätigkeit seit einer Woche ruht, die Arbeiter beurlaubt wurden und die Betriebs KG die Verträge mit dem Kran-Verleiher und weiteren Firmen gekündigt hat. Angeblich drohe die Insolvenz, da sie über keine Mittel verfüge, fällige Rechnungen zu begleichen.

"Aufgrund der Vertragssituation haben die Gemeindevertreter eigentlich nur die Wahl zwischen Pest oder Cholera", fasste Dr. Henrik Bremer, seit Februar 2007 juristischer Berater der Gemeinde, den Sachstand gestern Nachmittag zusammen. Entscheidungen wird die Gemeindevertretung jedoch in Kürze treffen müssen. Auch wenn ihr nach Auffassung von Erik Kennel dazu bislang noch die Entscheidungsgrundlage fehlt. "Da der Beschluss der alten Gemeindevertretung zum vorzeitigen Beitritt der Gemeinde in die Betriebs KG nicht umgesetzt wurde, wissen wir nicht, wo das Geld geblieben ist, das die Gemeinde bisher schon gezahlt hat. Ebenso wenig kennen wir die Kosten, die bei den verschiedenen Alternativen auf uns zukommen."

Kostet der Bau am Ende 25 oder 28 Millionen? Wie wirkt sich das auf die Finanzierungskosten aus? Welche Betriebskosten sind realistisch? Was würde die Gemeinde der totale Baustopp und Abriss kosten? Diese und weitere Fragen müssten nach Ansicht von Kennel und Ipsen geklärt werden, ehe die Gemeindevertretung eine möglichst qualifizierte Entscheidung über das weitere Vorgehen treffen kann. Dies wird jetzt die Aufgabe von Dr. Henrik Bremer sein, der seinerseits betont, der Politik die Entscheidung nicht abnehmen zu können. "Die entscheidende Frage wird sein, was der Gemeinde die Therme wert ist". Oder wie es Erik Kennel formuliert: "Die Zukunft hängt davon ab, was wir uns leisten können."


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