Keitum Therme

Presse Keitum Therme, Sylt-Ost (Planung: Uwe Deyle)


Quelle: Sylter Rundschau 08.12.2008

Kennel: "Deyle und sein Anwalt verließen einfach den Raum"

Fünf Monate haben Sylt-Osts Bürgermeister Erik Kennel, Bürgervorsteher Dirk Ipsen und SWG-Fraktionschef Sönke Hansen daran gearbeitet, dass Thermenplaner Uwe Deyle aus dem von Pleiten, Pech und Pannen begleiteten Projekt auf dem Keitumer Kliff aussteigt. Vergeblich! Deyle akzeptiert noch immer nicht, dass die Gemeinde alle Verträge mit ihm gekündigt hat und verweigert ihren Vertretern das Betreten der Baustelle. Donnerstag entschieden SWG, SPD und SSW sich deshalb in Abstimmung mit ihrem Fusionspartner Westerland dafür, vor einem Schiedsgericht auf Anerkennung der Vertragskündigung und Herausgabe des Grundstücks zu klagen. Im Gespräch mit Ulrike Bergmann erklärt das Führungstrio der Mehrheitsfraktion warum es dies jetzt für richtig hält.

Fünf Monate geredet und nun wird doch geklagt. Sind Sie damit zufrieden?

Sönke Hansen: Man kann nicht zufrieden sein mit dem Status. Schließlich haben wir parteiübergreifend mit dem Ziel verhandelt, eine Einigung mit Deyle zu erreichen. Der Sinn dabei war es, den Knoten zu lösen, sich von Deyle zu trennen und weiter zu bauen. Aber das war auch nach mehr als 20 Telefonkonferenzen, die alle Sylt-Oster Fraktionsvorsitzenden in den vergangenenen fünf Monaten gemeinsam mit Herrn Deyle geführt haben, zig Gesprächen und Angeboten, die wir ihm gemacht haben, nicht möglich.

Dirk Ipsen: Unter den gegebenen Umständen ist die Klage deshalb jetzt der richtige Schritt. Und wir können zufrieden damit sein, dass wir ihn mit einem so breiten Konsens in der Gemeindevertretung - außer der SWG haben ja auch SPD und SSW vollständig zugestimmt - erreicht haben.

Woran sind die Gespräche mit Herrn Deyle letztlich gescheitert?

Hansen: Auf unser erstes Angebot zur Aufhebung aller Verträge, das im Juli von allen Fraktionsvorsitzenden mitgetragen worden war, hat er einfach gar nicht reagiert…

Erik Kennel: Und als wir ihm am 8. November unser letztes Angebot gemacht haben, sind sein Anwalt und er einfach aufgesprungen und haben den Raum verlassen. Dieses Verhalten kommentiere ich nicht weiter.

Ipsen: Vorher hatten Herr Kennel und ich in Hamburg ja ein Sechs-Augen-Gespräch mit Herrn Deyle, wo wir versucht haben ihm eine Brücke zu bauen und da zeigte er sich als aufmerksamer Zuhörer. Aber beim nächsten Gespräch, was dann eben mit Anwälten auf Sylt stattfand, kontakarierte er das alles und forderte wieder sieben Millionen Euro dafür, dass er uns in Ruhe läßt.

Kennel: Dieses letzte Gespräch war aus unserer Sicht nicht mehr zielführend.Es war von Deyle und seinem Anwalt, der sich selbst als aggressiv bezeichnete, mehr darauf angelegt, uns zu provozieren als darauf, mit uns zu verhandeln.

Deyle forderte sieben Millionen Euro dafür, dass er aus dem Projekt aussteigt und die Vertragskündigung der Gemeinde akzeptiert?

Kennel: Er forderte auch mal acht Millionen…

Hansen: …und das, ohne dass wir dafür ein Stück Wertverbesserung bekommen hätten.

Welche Strategie verfolgt Herr Deyle Ihrer Meinung nach?

Ipsen: Eine Strategie ist da nicht zu erkennen. Also können wir nur mutmaßen und das hilft uns nicht weiter. Wir sind aber sicher, mit unserer Strategie richtig zu liegen und werden darin auch beispielsweise vom Landesrechnungshof und dem Bund der Steuerzahler bestätigt. Dort hat man das Thermenprojekt von Anfang an kritsich gesehen, schreibt aber jetzt, dass die Situation immerhin endlich nüchtern analysiert werde. Genau das tun wir, weil es uns und den anderen Gemeindevertretern um eine Begrenzung dieser Steuergeldverschwendung geht.

Abgesehen von dem Anwalt, der Ihnen jetzt zur Klage geraten hat, beschäftigt die Gemeinde ja noch einen zweiten Juristen, Dr. Henrik Bremer. Er hatte kurz vor der Entscheidung für die Klage angeboten, bis zum kommenden Freitag eine Lösung zu präsentieren. Warum hat man ihm diese Zeit nicht gegeben?

Kennel: Jeder, der eine ernsthafte Lösung bringt, ist herzlich willkommen.

Hansen: Natürlich! Aber aus meiner Sicht ist es so, dass sich erst, wenn der Druck groß genug ist, auch etwas bewegt. Oder warum avisiert Bremer jetzt plötzlich innerhalb einer Woche eine überraschende Lösung? Ich glaube, dass es daran liegt, dass wir mit großer Einigkeit und auch in Abstimmung mit Westerland für die Klage gestimmt haben.

Ipsen: Die Gemeindevertretung hat mit ihrem Beschluss bewiesen, dass sie sich nicht manipulieren läßt.

Das klingt fast, als sei Dr. Bremer der Anwalt von Deyle. Er vertritt aber die Interessen der Gemeinde…

Ipsen: Dr. Bremer wurde wiederholt gebeten, Alternativen für das weitere Vorgehen aufzuzeigen. Besonders dazu, wie man die offensichtlich zu viel gezahlten sechs Millionen Euro Steuergeld zurückfordern kann. Aber erst nachdem mit Hilfe des Landrates eine renommierte Kanzlei der Gemeinde zur Seite gestellt wurde, konnte die Gemeindevertretung eine Entscheidung finden. Dr. Bremer ist da, um das schon lange laufende Vier-Millionen-Euro-Schiedsverfahren zu begleiten. Wie die Gemeinde in dieses Verfahren geraten konnte, erschließt sich mir übrigens bis heute nicht. Mit wem Dr. Bremer aber jetzt plötzlich Lösungsvorschläge erarbeitet, ist uns nicht bekannt.

Wie könnte so eine plötzliche Lösung denn aussehen?

Ipsen: Darüber können wir nur spekulieren. Ich habe da meine persönlichen Vorstellungen, die ich jetzt aber noch nicht äußern möchte.

Die Firma Zech baut auf dem Nachbargrundstück ein Hotel. Als die erste Thermen-Baufirma ausstieg, übernahm sie die Arbeiten… Kann es sein, dass Zech Interesse an dem ganzen Areal hat?

Ipsen: Wir wissen es noch nicht.

Hansen: Eine Lösung, die weiter Zusammenarbeit mit Deyle bedeutet, kann sich jedenfalls niemand vorstellen.

Die Klage soll vor einem Schiedsgericht verhandelt werden. Warum?

Ipsen: Das ist in den Verträgen so vorgesehen. Der Unterschied ist, dass es dabei um eine Einigung und nicht in erster Linie um die Klärung der Schuldfrage geht.

Wie lange wird das jetzt ungefähr dauern?

Ipsen: Das weiß noch niemand. Aber anders hat sich ja auch nichts bewegt und wenn wir jemals weiter bauen wollen, sehen wir keinen anderen Weg als den, den wir jetzt gehen.


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