Keitum Therme

Presse Keitum Therme, Sylt-Ost (Planung: Uwe Deyle)


Quelle: Sylter Rundschau 12. November 2004

Schwimmbad ja - aber: Wie hoch ist der Preis?

"Wir haben nichts gelöst, aber schön, dass wir darüber geredet haben."
Diesen Satz könnte man wie ein Leitmotiv über die Bürgerversammlung stellen, zu der die Wählergemeinschaft Sylt-Ost (WSO) am Donnerstag gerufen hatte. Wer Aufklärung gesucht hatte, suchte vergebens - hatte vielleicht aber auch die falschen Fragen gestellt. Und so ging das Gros der "interessierten Öffentlichkeit" so klug wieder nach Hause wie es gekommen war.

Keitum
Gunnar Dommasch

Die Vorgaben waren klar definiert: Die umstrittenen Hotelbaupläne, die Entwicklung des Keitumer Schwimmbades und die Fusionsfrage standen zur Debatte. Während zu letzterem Thema weder Informations- noch Diskussionsbedarf bei den etwa 200 Gästen offenkundig wurde, gab es zu der Hotel- und Schwimmbadproblematik rege Wortbeiträge. Allerdings standen dabei nicht, wie vorgesehen, präzise formulierte Fragen im Vordergrund, sondern Meinungen. Und so wurde der schweigende Zuhörer mit einer Welle verschiedener Statements förmlich überrollt. Beneidenswert, wer da noch den Überblick behielt.

Christian Duwe brachte es in seiner Eigenschaft als Keitumer Bürger auf den Punkt: "Ich habe ein ungutes Gefühl im Bauch, es gibt so viele undurchsichtige Hintergründe." Aus dem Publikum kamen neben der Ankündigung juristischer Schritte gegen die beabsichtigte B-Plan-Änderung Plädoyers für den Erhalt der Arena, für einen Verzicht oder die Verlegung des Schwimmbades und gegen ein wieder aufflammendes Verkehrs-Chaos im Dorf. Als allgemeine Stimmungslage meinte Duwe ausmachen zu können, dass die Keitumer ein neues Bad sehr wohl wollen, aber nicht beabsichtigen, die damit verbundenen Kröten zu schlucken. "Wie hoch ist der Preis?", fragte Duwe. "Mir scheint, er wird immer höher."

Die Kröten - sie manifestieren sich in Form eines Thermal-Hotels mit maximal 70 Einheiten auf dem Mülheim-Gelände sowie eines Verkaufs des Schwimmbad-Parkplatzes zum Zwecke einer Wohnbebauung. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss hatte die Gemeindevertretung auf Antrag der CDU-Fraktion am 23. September gefasst. Und so war auch auf dem Podium mit dem WSO-Fraktionsvorsitzenden Herbert Sieg, Bürgermeister Ingbert Liebing, dem Keitumer Ortsbeiratsvorsitzenden Erik Kennel und Horst Jacobsen (stellvertretender Bürgervorsteher) ein Konflikt schon fast unvermeidlich. Denn in dieser Sache sieht sich der Ortsbeirat, der eine mit der Umnutzung des Ex-Kinderheims verbundene Änderung des Bebauungsplanes ablehnt, übergangen. Liebing konterte, der Ortsbeirat sei "durchaus in Richtung B-Plan-Änderung gegangen, wusste nur nicht genau wofür". Darauf Kennel: "Wir wollten lediglich dem Planer Koch eine letzte Chance geben, sein Vorhaben innerhalb des bestehenden B-Planes zu ändern."

Liebing konnte dann aber mit aktuellen Nachrichten in Sachen Schwimmbad-Planung aufwarten. Die gute zuerst: Der Westküstenbeirat hat den Plänen mit der Stufe 1a zugestimmt. Die schlechte: Wirtschaftsminister Bernd Rohwer schließt eine Förderung aus, so lange der Widerspruch aus Westerland im Raum steht.

Kurbetriebsleiter Uwe Winter machte sich ungeachtet dieser düsteren Aussichten noch einmal stark dafür, den zweiten Thermal-Standort Schleswig-Holsteins in Keitum zu etablieren. Mehrauslastungen in der Vor- und Nachsaison wären die Folge, jeder Vermieter werde profitieren. "Der Weg zum Gesundheitstourismus ist der richtige Weg." Das Argument, der Blick aufs Watt werde durch eine Neubebauung zerstört, fegte er hinweg. "Wir würden quasi von einer Promenade aus auf einer fünf Mal so großen Fläche wie bisher das Panorama genießen können."


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