Keitum Therme

Presse Keitum Therme, Sylt-Ost (Planung: Uwe Deyle)


Quelle: Sylter Rundschau 09.04.2008

Steuerzahlerbund: Therme sollte notfalls beerdigt werden

Ein Jahr nach dem ersten Artikel übt das Wirtschaftsmagazin des Bundes der Steuerzahler erneut Kritik an der Keitum-Therme - und dabei bekommen neben der Gemeinde auch das Land und die Kommunalaufsicht ihr Fett weg.

Keitum/Kiel
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rik

- Zuschütten! In der April-Ausgabe seines Wirtschaftsmagazins empfiehlt der Steuerzahlerbund, die Thermen-Baustelle auf dem Keitumer Kliff zuzuschütten: "Möglicherweise ist das langfristig günstiger, als das Projekt als finanzielles Desaster fortzuführen."

Schon vor einem Jahr war das umstrittene Projekt ins Visier der Steuerwächter geraten: Unter der Überschrift "Wo die Logik baden geht", erschien im Februar 2007 ein Artikel, in dem die ungleiche Kostenverteilung zwischen privatem Investor (350 000 Euro) und Steuerzahler (nach damaligem Stand 15,5 Millionen Euro) und die geldverschlingende Konkurrenz zur Schwimmbad- und Wellness-Anlage "Sylter Welle" kritisiert wurde (wir berichteten).

Jetzt sehen sich die Skeptiker bestätigt: "Wir haben leider Recht behalten. Das Projekt der Keitum-Therme entwickelt sich zum Millionengrab, die Fertigstellung steht in Frage." So beginnt der Artikel. Und er endet mit dem Vorschlag, die Baustelle zuzuschütten - oder durch die Kommunalaufsicht einen unabhängigen Experten einzusetzen, "der versuchen muss, weiteren Schaden von den Gemeindefinanzen abzuwenden." (siehe Interview rechts)

Kommunalaufsicht-Chef Harry Schröder sieht dafür allerdings keinen Bedarf: Zwar räumt er auf Nachfrage unserer Zeitung ein, dass der ursprüngliche Vertrag "nicht optimal" war, erklärt aber auch, dass es am 6. Februar im Kieler Wirtschaftsministerium "gute Gespräche" über die Zukunft des Projektes gegeben habe. "Da saßen von Bürgermeister Schmatloch über Herrn Deyle bis zu Vertretern des Ministeriums und der Staatskanzlei alle Beteiligten zusammen und waren sich einig, dass weitergebaut werden soll."

Darauf verweist auch Harald Haase, Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Für ihn enthält der Artikel des Steuerzahlerbunds, der dem Land vorwirft, Gemeinden vor "derart risikoreichen Projekten" nicht zu schützen, keine neuen Fakten: "Die Landesregierung hat der Gemeinde geholfen und ist jetzt optimistisch, dass die Therme 2009 eröffnet wird."

Was der Bau bis dahin gekostet haben wird, ist allerdings völlig offen. Sylt-Osts amtierender Bürgermeister Christoph Schmatloch hat eingeräumt, dass die veranschlagten 15,5 Millionen Euro nicht ausreichen werden (wir berichteten).

Der Steuerzahlerbund fürchtet deshalb, dass in Sylt-Ost "selbst dringend notwendige Investitionen künftig kaum noch möglich sein werden."


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