Keitum Therme

Presse Keitum Therme, Sylt-Ost (Planung: Uwe Deyle)


Quelle: Sylter Rundschau 11.09.2010

Therme: Abriss kostet 520 000 Euro

Das zum Jahresanfang in Auftrag gegebene Gutachten zur Zukunft des umstrittenen Rohbaus auf dem Keitumer Kliff liegt seit dieser Woche vor

Keitum

Rohbau Keitum Therme

Stillstand seit dem Sommer 2008: Der Rohbau der Thermenanlage hat Mängel im Wert von 3,2 Millionen Euro

Bergmann

Baufahrzeuge, Handwerker, die an den Rohbauten arbeiten, Werkzeug, Maschinen... Auf dem Thermen-Grundstück in Keitum könnte schon bald geschäftiges Treiben herrschen.

Diese Vermutung legt zumindest das Gutachten zur Zukunft der Baustelle oberhalb des grünen Kliffs nahe. Es wurde nach dem Schiedsgerichtsverfahren, in dem die Gemeinde Ende Januar die Eigentumsrechte an dem Grundstück zugesprochen bekam, in Auftrag gegeben. Seit dieser Woche liegt es vor.

Auf rund 350 Seiten werden darin die Fragen nach dem Wert der Rohbauten, möglichen Mängeln und deren Ursachen, den Kosten einer Mängelbeseitigung oder auch des Gebäudeabrisses beantwortet.

Zum Wert des Rohbaus: Der Gutachter ermittelte einen Gebäudewert von 5,1 Millionen Euro. Davon zieht er für technische, also beim oder durch den Bau verursachte Mängel 2,8 Millionen Euro und für witterungsbedingte Schäden (der Rohbau hat bereits zwei Winter hinter sich) weitere 500 000 Euro ab. Es bleibt demnach ein Gebäudewert von 1,8 Millionen Euro.

Die Mängel: Der Großteil des Gutachtens besteht aus Fotos, mit denen der Experte jede von ihm ermittelte Verfehlung dokumentierte. Er stellte beispielsweise fest, dass Betondeckungen nicht in der vorgeschriebenen Mindestdicke vorhanden und Stahleinlagen stellenweise an der Oberfläche sichtbar sind. Teilweise sorge unzureichend verdichteter Beton dafür, dass Wasser in die Technikräume des Souterrains eindringen könne. Und er berichtet von freiliegenden Rohren, die durch UV-Strahlen porös würden, beziehungsweise es schon seien...

Der Gutachter fasst zusammen, dass diese Mängel zwar beseitigt werden könnten, negative Auswirkungen auf die Nutzungsdauer des Gebäudes aber dennoch einzukalkulieren seien.

Einige bisherige Leser seiner Ausarbeitung schlussfolgern daraus, dass es wohl kaum möglich sei, eine Baufirma zu finden, die eine Fertigstellung der Schwimmbad- und Wellnessgebäude, sowie der darin vorgesehenen Praxisräume vornehmen würde.

Zur Haftung: Die Kieler Kanzlei Cornelius & Krage prüft im Auftrag der Gemeinde, welche Chancen diese hat, gegen die Baufirma Überzahlungs- beziehungsweise Mängelansprüche geltend zu machen.

Die Zukunft des Projekts: Seit zwei Jahren ruht Sylts wohl bekannteste Baustelle. Von den Plänen für eine Medical-Wellness-Anlage, die eigentlich seit dem 11. April 2008 Gäste empfangen sollte, hat sich die Gemeinde ohnehin längst verabschiedet.

Darüber, was nun aus den Überresten dieses Vorhabens werden soll, muss, wenn jeder Entscheidungsträger Gelegenheit hatte, das Gutachten zu lesen, beraten werden. Die Tendenz geht, so hieß es zumindest gestern aus verschiedenen Fraktionen, bisher klar in Richtung Abriss. Wobei sich dann sofort die Frage anschlösse, was mit dem Grundstück in Top-Lage passieren solle.

Falls auf der Baustelle demnächst wieder geschäftiges Treiben herrschen sollte, wird dies vermutlich 520 000 Euro teuer sein. Diese Summe hat der Gutachter für den Abriss aller Gebäude und Becken veranschlagt.

Ulrike Bergmann


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