Keitum Therme

Presse Keitum Therme, Sylt-Ost (Planung: Uwe Deyle)


Quelle: Sylter Rundschau 08.07.2006

Therme: "Ohne Blessuren kommen Sie da nicht mehr raus"

Es war eine denkwürdige, turbulente Sitzung der Sylt-Oster Gemeindevertreter, zudem die wahrscheinlich längste Bürgerfragestunde der letzten Jahrzehnte, die am Donnerstag in Morsum über die Bühne ging. Investor Uwe Deyle stellte seine Pläne für die Keitum-Therme öffentlich vor - und fast wäre die Veranstaltung aus dem Ruder gelaufen.

Morsum
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gudo

- Das Aufgebot, das sich sich vor über 100 Zuhörern im Muasem-Hüs präsentierte, war beeindruckend. Neben dem Sylt-Oster Gemeinderat waren alle Ortsbeiräte, der Kurdirektor, Vertreter des Amtes, Verwaltungsrechtler, Wirtschaftsprüfer und Repräsentanten der Bietergemeinschaft um den Stuttgarter Investor Uwe Deyle aufmarschiert. Dieser hatte einer Beteiligung der Öffentlichkeit zugestimmt, um Verständnis für den im Ort höchst umstrittenen Thermenbau einzuwerben. Brisante Punkte wie Fragen der Finanzierung waren allerdings (auf CDU-Antrag) in den nicht-öffentlichen Teil verbannt worden.

Bevor es zu der Präsentation kam, hagelte es Fragen über Fragen aus dem Auditorium. Und fast ausschließlich drehte es sich dabei um das liebe Geld. Kein Kommentar, hieß es dann in schöner Regelmäßigkeit. Es handele sich um ein nicht abgeschlossenes, EU-weites Bieterverfahren, zu dem auf Grund der Wettbewerbssituation keine finanziellen Details preisgegeben werden dürften.

Die Fragen waren unbequem. Man wollte wissen, wie viel Geld die Gemeinde in die Therme pumpen müsse und ob es weitere Verpflichtungen wie etwa Bürgschaften gebe. Dr. Thomas Blanck als engagierter Thermengegner orakelte, die Gemeinde verschulde sich in einem Maße, das sie sehenden Auges in den Untergang führe. Darauf Bürgermeister Schmatloch: "Sie sollten Vertrauen in die Gemeinde haben, dass sie Sylt-Ost nicht in den Ruin treibt." Für diese Äußerung erntete er Hohngelächter. Eine Zuhörerin klagte: "Sie versündigen sich gegen alle, die ihre Kinder hier groß gezogen haben." Beifall.

Dr. Thomas Ax, Rechtsanwalt in Diensten von Sylt-Ost, beantwortete die Frage, was passieren würde, wenn die Gemeinde sich zur Aufhebung der Ausschreibung durchringen würde. Grundsätzlich rechtswidrig, so die klare Auskunft. Es gebe schlicht keinen Aufhebungsgrund. "Sie werden dann regresspflichtig. Ohne Blessuren kommen Sie aus dem Verfahren nicht mehr raus." Wenn der Vertrag mit der Deyle-Gruppe nicht zu Stande käme, müsse man, so Schmatloch, bis zu 300 000 Euro in den Sand schreiben.

Der Ton wurde schärfer, es gab persönliche Anschuldigungen und Verunglimpfungen. Thomas Blanck brachte es noch einmal auf den Punkt. "Die Therme und eine gleichzeitige Änderung des B-Plans ist vom Bürger nicht gewollt." Dafür habe man binnen fünf Tagen schon über 400 Unterschriften sammeln können. Der ganze Rattenschwanz von Freibad, Hotel auf dem Mülheim-Gelände, Tiefgarage und Kunstmuseum müsse entkoppelt werden. "Dann würden wir hier ganz anders über eine Therme reden."

Nach knapp anderthalb Stunden war Manfred Uekermann mehrfach der Kragen geplatzt. Er brach die Bürgerfragestunde ab - unter Protest. Uwe Deyle versuchte nun, gegenüber den Gästen Boden gut zu machen: "Sie geben nichts weg, sie erhalten etwas." Er verwies auf mehrere Referenzobjekte, u.a. auf die Fördeland-Therme in Glücksburg, die im März 2007 fertig gestellt werden soll. Das Objekt in Keitum wird drei Schwimmbäder und ein öffentlich begehbares Platteau mit Blick aufs Wattenmeer erhalten. Es gibt drei größere Gebäude im traditionellen Baustil mit Rotstein-Fassade, Thermenhaus und Tower im Eingangsbereich sind verglast. Angeboten wird die ganze Wellness-Palette - von Thalasso, Physiotherapie, Sauna bis zum Solesprudelbad. Die Angebotsstruktur soll sich deutlich von der Sylter Welle abheben. Rund 18 Prozent der Gäste werden aus Sylt-Ost erwartet. Für Anfang Dezember plant Deyle den Baubeginn, im März 2008 könnte Einweihung gefeiert werden.

Nach Feiern war den Zuhörern indes nicht zumute. Während drinnen die Fragen der Finanzierung erörtet wurden, mit dem Ergebnis, dass man mit der Deyle-Gruppe weiter verhandeln will, dachte man draußen schon laut über ein Bürgerbegehren nach.


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