Keitum Therme

Presse Keitum Therme, Sylt-Ost (Planung: Uwe Deyle)


Quelle: Sylter Spiegel 06.10.2010

Thermenruine: Peepshow hinter der Klagemauer?

Keitum.(pb) Ein erstes Fazit der Tätigkeiten im Arbeitskreis Therme zog auf der Sitzung des Keitumer Ortsbeirats vergangene Woche dessen Vorsitzender Thorsten Reckermann (SWG). Vier Termine habe es bislang gegeben, bei denen alles - vom Abriss über eine Nutzungsänderung bis hin zum Weiterbau - offen diskutiert worden sei. Eines der Treffen fand auch mit ISTS-Chef Peter Douven statt, der sich unter Verweis auf die finanziellen Probleme der Sylter Welle, so Reckermann, eindeutig gegen den wie und durch wen auch immer finanzierten Bau einer weiteren Bäder- und Wellnessanlage in der Gemeinde Sylt ausgesprochen habe.

Bei der vierten und bisher letzten Zusammenkunft sei es hauptsächlich um das Gutachten gegangen, das alle Mitglieder des Arbeitskreises als überaus anschaulich und sehr verständlich formuliert bezeichneten. Allerdings sei schnell die Ernüchterung gefolgt: die finanziellen Auseinandersetzungen der Baufirmen untereinander und auch seitens der Gemeinde sowie vorläufige und tatsächliche Insolvenzverfahren werden voraussichtlich vier bis fünf Jahre dauern - das sei deutlich länger als von Bürgermeisterin Petra Reiber noch Ende Juli vermutet. Der Arbeitskreis Therme sehe sich gezwungen, seine Tätigkeit aktuell auszusetzen, weil ihm die "Hände gebunden" seien.

Allerdings haben die Mitglieder des Arbeitskreises und des Ortsbeirates alle Gemeindevertreter und die Verwaltung zu einer vorerst letzten Aktion aufgerufen, die auch als zusätzliche Sicherungsmaßnahme der ehemaligen Baustelle dienen soll. Anstelle des jetzigen Drahtzauns sollen rings um das Thermengrundstück ein höherer Bretterzaun errichtet und Künstler eingeladen werden, diesen nicht durchsehbaren Bauzaun zu bemalen. Aber völlig verstecken wollen die Bürgervertreter das Schandmal nicht: in dem Bauzaun sollen nämlich Löcher oder Sichtfenster eingesetzt werden. Dr. Roland Klockenhoff (B90/Grüne) entwickelte mit hohem Engagement jedoch weitergehende Pläne: so sollen an dem Zaun beispielsweise Infotafeln zur Geschichte des Thermendesasters und mit einer genauen Aufstellung der vielen geflossenen Millionen Euro, inklusive aller Fremdzahlungen an Gutachter und Rechtsanwälte, angebracht werden. Außerdem eine Art schwarzes Brett, auf dem Einwohner und Gäste Vorschläge zur weiteren Zukunft des Thermengeländes machen können. Diese Vorschläge wurden von allen Mitgliedern des Ortsbeirats befürwortet. Allerdings soll ein möglichst objektiver Infotext formuliert werden, hinter dem alle Fraktionen der Gemeinde Sylt stehen können.

Autor/-in: Pierre Boom


Presseübersicht Keitum Therme