Erlebnisbad Calypso Saarbrücken

Presse Erlebnisbad Calypso in Saarbrücken


Saarbrücker Zeitung 22.04. 2002

Im Calypso gehen die Euro baden

Die einstigen Kostenpläne werden um mehr als vier Millionen Euro überschritten - Wer kommt für die Mehrkosten auf?

- Von WILLI GEISLER -

Saarbrücken. Saarbrückens Erlebnisbad, das Calypso, ist seit 6. Oktober 2001 geöffnet. Doch die Baukosten sind merklich höher als geplant. 22,5 Millionen Euro sollte das Bad samt Grundstück im Deutschmühlental kosten. Jetzt werden es wohl 26,5 Millionen Euro sein.

Wer soll für die Mehrkosten von vier Millionen Euro aufkommen? Die Antwort wird in Verhandlungen gesucht, die derzeit geführt werden. Da ist die Betreibergesellschaft S&S Spaßbad GmbH, die das Calypso auch baute. Geschäftsführender Gesellschafter ist Friedhelm Raatz. Als Projektsteuerer übernahm die Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung (GIU) die Bauabwicklung. An der GIU sind die Stadt Saarbrücken (47,83 Prozent) sowie die Stadtwerke, die Sparkasse und der Stadtverband (je 17,39 Prozent) beteiligt. Und schließlich ist die Gesellschaft für Kommunalanlagen und Beratung Saarbrücken (KBS) als Nachfolgerin der städtischen Parkhausgesellschaft mit im Bunde. Von der KBS stammen die Millionen fürs Spaßbad. Und für die Stadt Saarbrücken ist Finanzdezernent Frank Oran, CDU, in die Verhandlungen eingebunden.

Das alte Stadtbad St. Johann war nicht mehr zeitgemäß, sagte die Stadtverwaltung. Der Sanierungsaufwand wäre hoch gewesen. Besucher blieben weg. Schon vor 1990 sollten die Saarbrücker ein Erlebnisbad bekommen, aber der Investor war noch vor Baubeginn in Konkurs gegangen. Da aber war das alte Deutschmühlen-Freibad schon abgerissen, und die Bürger waren entsetzt.

Die SPD hatte die Idee, den Saarbrückern wieder ein Bad zu geben. Geld fehlte in der Stadtkasse, und so musste die städtische Parkhausgesellschaft ihre Parkhäuser an EuroQPark verpachten. Eine Mietvorauszahlung für zehn Jahre sollte das neue Bad finanzieren. Damit schlug die Stadt auch dem Fiskus ein Schnippchen, der bei diesem Pachtgeschäft leer ausging. Voraussetzung war, dass die Parkhausgesellschaft (beziehungsweise die Nachfolgegesellschaft KBS) den Badebau finanzierte.

Die Verträge sehen vereinfacht vor: S&S baut. KBS kauft das fertige Bad zurück und verpachtet es an S&S, die es betreibt. KBS schießt jährlich 750000 Euro zu - und das zehn Jahre lang. "Aber nur bei Bedarf", schränkt Friedhelm Raatz ein. Mit dem Geld soll das Calypso immer attraktiv ausgestattet sein. Der Betrag für die nächsten drei Jahre soll nun genutzt werden, das Finanzloch teilweise zu stopfen. Damit wären 2,3 Millionen Euro (4,5 Millionen Mark) der Mehrausgaben finanziert. Investiere KBS ins Bad, so müsse S&S eine höhere Pacht zahlen, erläutert Raatz. Wie viel, sei offen. Derzeit betrage die Pacht etwa 800000 Euro im Jahr.

Der S&S-Chef sieht Kostensteigerungen und einen höheren Standard als Gründe der Verteuerung. So sei die Sauna-Landschaft wesentlich verbessert worden: "Das hat sich gelohnt. Es kommen deutlich mehr Saunagäste als erwartet." Raatz sieht die Kostensteigerung nicht als bedrohlich an. Bei solchen Bauwerken gebe es immer Veränderungen. "Klar, die Teuerung schmeckt uns nicht." Wegen der Mehrkosten werde der Eintritt nicht teurer, sagt Raatz.

Im Juli sollen die Calypso-Gäste noch zwei Außenbecken erhalten: 200 Quadratmeter für Schwimmer und 65 Quadratmeter für Kinder. Die sollen etwa 500000 Euro kosten und sind in der Abrechnung nicht enthalten. Raatz: "Die gehören aber nicht zum ursprünglichen Plan, für sie sehen wir einen Bedarf."

GIU-Geschäftsführer Jürgen Schäfer: 22,5 Millionen Euro hätten nicht zum heutigen Standard gereicht. Der Bau sei noch nicht abgerechnet. Es würden nicht mehr als 26,5 Millionen Euro fällig. Ist die GIU in der Verantwortung? "Wir waren nie in der Lage, einen Preis zu garantieren. Es gab auch keinen Vertrag, der dies zugesichert habe." S&S habe mehr gemacht, als im Grundpreis vorgesehen sei.


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