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Presse Ganzjahresbad Forchheim


Quelle:Nordbayerische Nachrichten 19.09.2000

Der Hamburger Projekt-Berater Klaus-Dieter Schnell würde mit einem richtigen "Erlebnisbad" nicht in die Käsröthe gehen

Nicht geeignet für ein "quicklebendiges Bad"

Im Juli ein Gespräch mit OB und Stadträten geführt - "Stadt muß zunächst ermitteln, in welche Richtung sie gehen will"

VON ULRICH GRASER

FORCHHEIM - Klaus-Dieter Schnell ist ein Mann, der es gewohnt ist, in großen Dimensionen zu denken. Vielleicht liegt das an seiner Herkunft: Hamburg ist eine Weltstadt, offen nach allen Seiten. Seit jeher wird hier viel Geld umgeschlagen, werden bedeutende Pläne geschmiedet. Unter anderem in der Medicoplan Projekt-Beratung GmbH, Schnells Firma. Vor einigen Monaten ist Forchheim auf seiner Landkarte aufgetaucht.

Daran "schuld" ist Anton Faller, Manager in der Forchheimer Baugruppe Blank. Faller hat mit Medicoplan in den neuen Bundesländern bereits Bäder gebaut und saniert und regte bei Schnell an, etwas Ähnliches auch in seiner Heimatstadt zu verwirklichen. Faller weiß: In Forchheim gibt es zwei ziemlich alte Bäder, die mit "einem erheblichen Renovierungsstau" betrieben werden, wie er sagt. Seit zwei Jahren geistert außerdem die Idee eines "Ganzjahresbades" durch die Stadt, also einer Kombination von Frei- und Hallenbad, ganzjährig nutzbar.

Alles kein Problem für eine Firma wie Medicoplan, für einen Geschäftsmann wie Klaus-Dieter Schnell: "Wir betreuen bundesweit etwa 160 Standorte unterschiedlichster Nutzungsfunktion." Eine Einkaufspassage mit 10000 Quadratmetern Geschossfläche in Greifswald zum Beispiel, ein Geschäfts- und Freizeitzentrum mit Multiplexkino, Disco und McDonald's in Osnabruck, den Stadtringtreff mit Erlebnisbad in Neubrandenburg.

Hohe Preise, wenig Gäste

Das Erlebnisbad mit Saunalandschaft in Neubrandenburg übrigens, "Wellness Paradise", ist im Juni nach nur vier Monaten in Konkurs geraten. Zu hohe Preise, zu wenig Gäste, schrieb die örtliche Presse. Handwerker blieben auf ihren Rechnungen sitzen. Der Betreiber "Aqua Planet" ist ins Zwielicht geraten.

Klaus-Dieter Schnell ("Mit Aqua Planet haben wir am Standort Forchheim nichts zu tun") hat am Donnerstag, 6. Juli, mit Anton Faller den Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen, dem Oberbürgermeister, dem Kämmerer und weiteren Verwaltungsmitarbeitern seine Ideen vorgestellt. Die Diskussion war offen, aber heftig, erinnert sich ein Teilnehmer. Vor allem war sie geheim. Kein Wort durfte nach außen dringen, potenziellen "Verrätern" wurden schlimmste Strafen angedroht.

Eine öffentliche Diskussion über ein Erlebnisbad mit möglicherweise hohen Eintrittspreisen, vielleicht sogar an einem anderen Standort als der bei vielen so beliebten Käsröthe, wäre unangenehm. OB Franz Stumpf stufte die Bedeutung des Treffens betont niedrig ein: "Das war jetzt mal ein Interessent, da kommen auch noch andere." Solche Investoren-Gespräche führe er laufend, das sei nichts für die Öffentlichkeit. Der Hamburger Schnell indes gab unserer Redaktion bereitwillig Auskunft über das Gespräch.

"Wasser, Wärme, wohlfühlen"

Schnell sagt, er habe die Region genau studiert. Für Forchheim komme ein Betreibertyp in Frage mit einer reinen Bau-Investition von 28 bis 35 Millionen Mark, ohne Grundstückskosten. 40 bis 45 Arbeitsplätze könnten dadurch entstehen. Publikumsträchtig sind Angebote, die "Sport, Freizeit, Wasser, Wärme und sich wohlfühlen" miteinander verbinden. Der größte Teil müsse "indoor" sein, also überdacht. Dazu kommt ein Saunabereich, "naturheilkundlich betrieben".

Aus dem Gespräch im Rathaus weiß Schnell, dass die Stadt auf zwei Dinge Wert legt: Die Eintrittsprelse müssen für "normales" Schwimmen erschwinglich sein und der Standort Käsröthe sollte erhalten bleiben.

Letzteres scheint für Schnell das größere Problem zu sein. Die Käsröthe sei zwar ein "guter" Standort, aber nicht für ein "quicklebendiges Bad".

"Wer redet da wem rein?"

Schul- und Sportschwimmen müsste die Stadt subventionieren

Die "Wohnstrukturen" in der Nachbarschaft programmierten die Bürgerinitiativen schon vor. Er habe die Stadt daher gebeten, sich über Alternativen "Gedanken zu machen". 30 bis 35000 Quadratmeter sind insgesamt nötig.

Die Preis-Frage ist für den Projektmanager eng verbunden mit der Betriebsträgerschaft: "Da gibt es sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten." Geklärt sein müsse zum Beispiel, "wer welche Betreiberzuschüsse zahlt und wer wem da reinredet". Ein privat beriebenes Erlebnisbad könne keine kommunalen Aufgaben übernehmen wie Schul- oder Sportschwimmen. Es sei denn, die Stadt gelte dies mit einem jährlichen Betrag ab. In der Stadtverwaltung werden sogar schon denkbare Summen genannt Von einer halben Million Mark ist die Rede.

Wäre dies das Ende des Sommerbades an der Käsrothe? Im Rathaus heißt es: "Politisch ist dies nicht durchsetzbar." Klaus-Dieter Schnell meint, ein Erlebnisbad sei nur mit einer Unterstützung von 80 bis 90 Prozent aller beteiligten Entscheidungsträger zu machen.

Bei der Diskussion im Rathaus habe sich "nur eine Fraktion" grundsätzlich dagegen gewandt. Aus der Verwaltung kommt der Gedanke, der Betreiber eines Erlebnisbades am Stadtrand könnte die Käsröthe mit städtischer Subvention am Leben erhalten.

Klaus-Dieter Schnell und Anton Faller sagen, sie warten jetzt auf die Stadt: "Sie muss zunächst politisch ermitteln, in welche Richtung sie gehen will", so Schnell. Ist diese Entscheidung gefallen, könne seine Firma den Standort "absolut seriös bis hin zum Contracting-Vertrag" entwickeln. Im schleswig-holsteinischen Glücksburg werde demnächst der Bauantrag eingereicht. Vor zwei Jahren haben die Planungen begonnen, die Realisierung dauere etwa 20 bis 30 Monate.

Wichtige Leute in der Stadtverwaltung haben den Ausgang des Gespräches anders in Erinnerung: "Die sollten jetzt eigentlich erst einmal uns sagen, was sie sich in Forchheim vorstellen können." Vor wenigen Tagen wurde ein Lageplan der Stadt verschickt - Hilfe bei der Standortsuche. Weitere Interessenten haben bisher nicht den Fuß ins Rathaus gesetzt.

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