Spaßbad Taubertsbergbad Mainz

Presse Taubertsbergbad Mainz (Uwe Deyle)


Wormser Zeitung 30.10.2004

Umsatz-Erwartungen sind baden gegangen

Dem 18 Millionen Euro teuren Mainzer Taubertsberg-Spaßbad fehlen die Gäste / Nachbesserungen geplant

MAINZ Das im Sommer eröffnete Mainzer Taubertsberg-Spaßbad kommt bei den Gästen nicht an. Zu wenig Atmosphäre und zu teuer, lauten die Vorwürfe von Kritikern. Bis Weihnachten soll mit neuem Mobiliar und mehr Pflanzenkübeln nachgebessert werden.

Von Kurier-Redakteur Harald Kaliwoda

Der Kurier hat sich den 18 Millionen Euro teuren Schwimm-Tempel bei einem abendlichen Testbesuch genauer angesehen. Die hellgelb getünchte Eingangshalle wirkt freundlich und einladend. Hinter der Kasse kann man links das im Juli eröffnete, inzwischen gut besuchte neue Hallen-Sportbad sehen. Rechts geht es die Treppe hinauf zur Erlebniswelt. Doch die Computer-Kasse streikt gerade. Volle zehn Minuten müssen lästernde Besucher warten, bis das Problem behoben ist. Zeit genug, um den Faltprospekt mit Preisen und Infos zu studieren, der in den ersten Wochen noch fehlte. Bei den Preisen wurde bereits nachgebessert. Die Negativ-Schlagzeilen vom August in der örtlichen Presse haben Wirkung gezeigt. Für das Dreierpaket "Therme, Sauna und Hallenbad" beginnen die Preise bei 12,80 Euro für zwei Stunden. Neben Standardtarifen gibt es jetzt auch Ermäßigungen für Studenten und Behinderte, es gibt Familien-Tickets und Clubkarten.

Im Treppenaufgang zur Therme hängen Bilder und Zeitungsausschnitte über die Modernisierung des Mainzer Traditionsbads. Eine Luftaufnahme zeigt das derzeit geschlossene renovierte Freibadbecken hinter dem Neubau von Hallenbad, Therme und Saunabereich. Der Umkleideraum mit seinen roten Schränken und blauen Türen ist zweckmäßig eingerichtet. Eine Putzfrau wischt die offenen Schränke mit einem Lappen aus. Im Gang liegen 30 oder 40 hingeworfene gelbe Kleiderbügel. Die Reinigungskraft macht einen Bogen um diesen Stolper-Haufen und lässt ihn liegen. Beim Betreten der Thermen-Halle mit dem 32 Grad warmen Wasser fühlt man sich sofort wie in der Sauna, so heiß schlägt einem die Luft entgegen. Große halbkreisartige Panorama-Fenster, zwei grell-gelbe nackte Wände und hohe Decken prägen den Raum. Es plätschert und gluckert zwischen geschwungenen Beckenrändern und aus unsichtbaren Lautsprechern rieselt sanfte Popmusik. Kaum ein Dutzend Besucher ist hier um 20 Uhr zu entdecken. Nur einige Kinder toben herum, rennen die Innentreppe hoch, steigen im ersten Stock in den Schlund der Turbo-Rutschröhre und sausen, kreischend vor Vergnügen, den 100 Meter langen gewundenen Weg bis ins Auffangbecken im Keller hinab.

Allgegenwärtig sind auch die billig wirkenden gelb-weiß gestreiften Liegestühle, die man irgendwie vom Sommer her kennt, als es sie bei Aldi und Lidl im Sonderangebot gab. Ansonsten bieten schneeweiße Plastikstühle oder Langnese-Werbemobiliar reichlich, aber ungemütlich Sitzgelegenheit. Die wenigen Pflanzenkübel wirken verloren. Die bunte Wandfarbe, der aufgerauhte rutschfeste Steinboden und die Preisliste des Bistros heben die Besucherlaune aber wieder. Schnitzel mit Pommes kosten 4,50 Euro, ein Salatteller 2,50 Euro. Cola und Cappucino sind mit 1,50 Euro ebenfalls moderat angesetzt. Hinter einem weiteren Drehkreuz taucht man in die Saunawelt ein. Nur hier gibt es die kleinen Wertschließfächer. Ansonsten erfüllt das Reich der Dampfbäder, finnischen Saunen mit Wasserfall und Lichtspielen, bis hin zum Ruheraum mit 30 Grad warmen steinernen Liegebänken keinen Anlass zur Kritik. Für 35 Euro kann man sich vom Masseur eine Stunde lang kneten lassen. Billiger geht das nur mit den beiden Massage-Liegen, die sich nach Münzeinwurf in Rüttelbewegung setzen. Im Treppenhaus und im hübsch angelegten Außenbereich mit den zwei Sauna-Blockhäusern jedoch sind die FKK-Gäste neugierigen Blicken aus dem benachbarten Bürohochhaus ausgesetzt. Zumindest tagsüber.

Betrieben wird das städtische Taubertsberg-Spaßbad vom privaten Stuttgarter Unternehmen "Starwaters" als Pächter. Dort wurde am Schluss beim Sparzwang offenbar übertrieben und der Tarif zunächst zu hoch kalkuliert. Massenhaft schwammen die Kunden davon, und besuchten Konkurrenz-Einrichtungen wie das Aukammtal-Thermalbad in Wiesbaden oder die Rhein-Main-Therme in Hofheim. Auch das modernisierte Frankfurter Rebstockbad mit seiner Saunawelt samt Schneekabine und die "Mutter aller Thermen" - die Taunus-Therme in Bad Homburg - bekamen Besuch aus Mainz. Um diesen Trend zu stoppen, wird nachgerüstet. Man hofft auf eine zweite Chance beim Kunden. Daher kündigte die neu eingestellte Betriebsleiterin in dieser Woche "eine zweite Neueröffnung" des Spaß-Bades für Dezember an.