Freizeitbad Waikiki Pinneberg

Pinneberger Tageblatt vom 08.07.1999

Hoffmann warnt vor Waikiki

Erster Stadtrat: "Erheblicher Verlust von Lebensqualität"

Pinneberg (ra). Bürgermeister Horst-Werner Nitt hält die Pläne der Schweizer Initiatoren von "Aqua Planet", in der Kreisstadt ein Waikiki-Erlebnisbad zu errichten, für eine "Riesen-Chance". Auf einen Schlag werde die Attraktivität der Kommune erheblich gesteigert. Er möchte die Kreisstadt voranbringen, fitmachen für das nächste Jahrtausend. Schon häufiger beklagte Nitt jedoch, daß visionäre Vorhaben aufgrund der wachsenden Zahl von Bedenkenträgern bundesweit kaum noch durchzusetzen seien.

So könnte es nun auch dem Erlebnisbad mit Hawaii-Flair ergehen. Noch immer läuft im thüringischen Mühlhausen ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen die Betreibergesellschaft des Waikiki-Bads von Zeulenroda. Es geht um den Verbleib von Fördermitteln des Landes und auffallend hohe Beraterverträge. Pinnebergs Politiker beschlossen daher, das Konzept der Schweizer besonders genau zu überprüfen und eine aussagefähige Wirtschaftlichkeitsberechnung für einen Dauerbetrieb einzufordern.

Der Erste Stadtrat und SPD-Vorsitzende Herbert Hoffmann (SPD) warnt jedoch schon jetzt vor dem Projekt. Sein Rat: "Das Vorhaben grundsätzlich überdenken beziehungsweise aufgeben." Schon die erste Vorstellung eines Verkehrsgutachtens habe deutlich gemacht, daß es zu einer "unzumutbaren Verkehrslage" kommen werde. Vor allem für die Anlieger der Straße "Am Rehmen" würde das Erlebnisbad zu einer Verkehrsbelastung führen, die "nicht hinnehmbar ist".

Die Nitt-Idee eines Durchstichs zwischen Rockvillestraße und Burmeisterallee würde ebenfalls nur zu einer Mehrbelastung des "Rehmen" und weiterer Straßen führen. Gegen das Großprojekt spreche zudem, daß es ausgerechnet in einem Teil der Stadt liege, der für Erholungssuchende wichtig sei. Der Bau von Waikiki werde zu einer "gewaltigen Beeinträchtigung des Fahlts, des Rosengartens und anderer Naherholungsgebiete führen".

Dies bedeute den unwiederbringlichen Verlust von Lebensqualität. Ein solches Bad gehöre in ein reines Gewerbegebiet. "Hinzu kommt noch, daß das Firmengeflecht der Aqua-Planet S.A. sehr unüberschaubar ist und nicht nur in Pinneberg mit tiefem Argwohn betrachtet wird." Hoffmann rät, die alten, bescheideneren Pläne für ein Kombibad wieder aus der Schublade zu holen.