Freizeitbad Waikiki Pinneberg

Pinneberger Tageblatt vom 04. 09. 1999

Waikiki-Bad: Kein "Aloha" in Pinneberg

Pinneberg (thk) Pinneberg verabschiedet sich von den Plänen des schweizerischen Unternehmens Aqua Planet, an der Burmeisterallee für 75 Millionen Mark ein Waikiki-Bad zu bauen. Das gab Bürgermeister Horst-Werner Nitt gestern auf Tageblatt-Anfrage bekannt. Prüfungen hätten ergeben, so der Verwaltungschef, daß "guten Gewissens mit der Aqua Planet keine Geschäfte gemacht werden können". Das Unternehmen war ins Zwielicht geraten, nachdem ihm im Zusammenhang mit einem Waikiki-Bad im thüringischen Zeulenroda Subventionsbetrug vorgeworfen worden war. Pinneberg will sich nun europaweit auf die Suche nach neuen Investoren begeben.

Waikiki geht endgültig baden

Nun auch Bürgermeister Nitt gegen Aqua-Planet-Pläne

Pinneberg (thk). Es hat sich abgezeichnet. Nun ist es endgültig. Das ehrgeizige Projekt der Firma Aqua Planet Management in Pinneberg ein sogenanntes Waikiki-Bad zu errichten, ist gestorben. Immer mehr Berichte über Skandale des schweizer Unternehmens ließ die anfängliche Freude bei Politikern und Verwaltung über die Investoren in energische Kritik umschlagen. Während der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses nahm nun auch Bürgermeister Horst-Werner Nitt Abstand vom Waikiki-Projekt.

Erste Berichte über unsaubere Geschäftspraktiken der Aqua-Planet im Zusammenhang mit dem Bad im thüringischen Zeulenroda - dort realisierte die Firma das bislang einzige Waikiki-Projekt in Deutschland - konnten Nitt zunächst nicht beirren. Er erteilte Vorverurteilungen eine Absage. "Ohne Prüfung wollte ich das Vorhaben nicht beerdigen", erläutert der Bürgermeister. Diese seien mittlerweile abgeschlossen und ließen nur einen Schluß zu: "Guten Gewissens kann man mit der Aqua Planet keine Geschäfte machen". Ausschlaggebend für Nitt, sich nun gegen das 75-Millionen-Großprojekt auszusprechen, waren Berichte der "Frankenpost". Demnach muß die BWZ -hinter diesem Unternehmen steht die Aqua Planet- das Bad in Zeulenroda räumen und an die städtische Eigentümergesellschaft WFZ übergeben. Dieses Verfahren sei der "Frankenpost" zufolge letztinstanzlich von einem Schiedsgericht entschieden worden.

"Wirtschaftlich", so ist sich Nitt sicher, "wäre das Freizeitbad mit Sport-, Spaß- und Wellness-Angeboten ein Renner gewesen". In Zeulenroda, so weiß er zu berichten, seien weit mehr als eine Million Besucher während der vergangenen eineinhalb Jahre gezählt worden. Doch was nütze das, wenn letztendlich von den Einnahmen nichts übrig bleibe.

Den Beteiligten in Thüringen hat das Bad jedenfalls kein Glück gebracht. Nach Vorwürfen des Subventionsbetrugs - in das Projekt sind erhebliche öffentliche Mittel geflossen - soll nun Tageblatt-Informationen zufolge gegen Zeulenrodas Bürgermeister Frank Steinwachs ein Amtsenthebungsverfahren laufen.

Die Idee, aus Pinnebergs defizitären Hallen- und Freibad etwas Großes werden zu lassen, ist trotz der Waikiki-Pleite nicht zu den Akten gelegt. Die Stadt wolle sich nun auf die Suche nach neuen Investoren begeben. "eventuell mittels einer europaweiten Ausschreibung", berichtet Nitt. Sein Blick richtet der Bürgermeister dabei auf die Niederlande, die sich im Freizeitbadbau stark engagierten. Etwas Gutes habe die Diskussion um Waikiki dennoch gehabt, auch wenn das Projekt nicht verwirklicht werde: " Es wurde etwas angestoßen und hat bei der Entwicklung wichtige Impulse gegeben".

Während in Pinneberg die Kritik an der Aqua Planet immer lauter wurde, so erfuhr das Tageblatt, habe sich bei den Parteien und bei der Stadt ein weiterer Investor für ein Freizeitbad gemeldet. Da der Unternehmensberater jedoch einen Bauunternehmer vertritt, der in den 80er Jahren in einen großen Immobilienskandal verwickelt war, wurde von dieser Offerte schnell Abstand genommen.