Freizeitbad Nemo im Seepark Sellin auf Rügen

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Ostsee-Zeitung 10. 01. 2002

Der Käpt'n ist nicht mehr solvent

Gläubigerbank hat Kredit gekündigt und Insolvenzantrag gestellt

Sellin

(OZ) Den zweiten Geburtstag konnte Dieter Behrmann noch miterleben. Nun ist er sein Kind los. Die Regie im Freizeitbad "Nemo" führt ab sofort Ulrich Rosenkranz. Der Rechtsanwalt ist als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt worden. Der war gestern vor Ort und hat gleich Pflöcke für die nähere Zukunft des Bades im Selliner Seepark eingeschlagen: "Es wird weitergeführt werden und ab der nächsten Woche auch mit den üblichen Öffnungszeiten", so Rosenkranz gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG.

Seinen Worte zur Folge liege bislang nur ein Insolvenzantrag vor: "Über die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens muss noch entschieden werden. Vielleicht oder möglicherweise wird ein solches Verfahren auch nicht eröffnet", berichtet Rosenkranz über die derzeitige Aktenlage. Die besagt weiterhin, dass der Insolvenzantrag von der Gläubigerbank des Freizeitbades gestellt worden sei: "Schon vor Ende des vergangenen Jahres", ergänzt der Rechtsanwalt.

Silvesterparty war auch Abschiedsparty

Somit war die Silvesterparty im Bad auch die Abschiedsparty für Dieter Behrmann: "Das Fest zum Jahreswechsel habe ich noch veranstaltet, damit ich meinen Leuten zumindest den Lohn bezahlen konnte", sagt der bisherige Nemo-Chef, der nach eigenem Bekunden schließlich am Dienstag dieser Woche auch selbst einen Insolvenzantrag gestellt hat, "weil wir zahlungsunfähig sind, da die Bank den Kredit gekündigt hat". Der belief sich auf etwas mehr als 20 Millionen Mark.

Noch im September des vergangenen Jahres hatte Behrmann darauf gehofft, dass die Banker weiter stillhalten werden, obwohl er keineswegs in der Lage war, den Kapitaldienst für den Kredit zu bedienen. Mit dem Geld, das in die Nemo-Kasse gespült wurde, konnte er gerade einmal die Betriebs- und Personalkosten begleichen. Seine Zuversicht habe sich zudem auf eine Zusage der Bank gestützt, die besagt habe, dass "wir 2002 weiterarbeiten können". Aber jetzt sei für ihn klar, dass "die Bank immer das Bad haben wollte".

Nun steht Dieter Behrmann, dessen Nemo-Bad in Magdeburg Ende 2001 versteigert wurde, mit mehr oder weniger leeren Händen in leeren Taschen da: "Alles ist weg", sagt der Mann, der sein privates Vermögen in das Freizeitbad gesteckt hat und die Frage nach dem "Wie weiter?" mit "Ich setz' mich in die Ecke und heule" beantwortet.

Auf Behrmanns Uhr war es immer 5 vor 12

Die vergangenen Jahre haben Dieter Behrmann nicht nur Millionen, sondern auch Nerven gekostet. Es war ein ständiger Drahtseilakt über dem Abgrund, eigentlich kannte Behrmann nur eine Uhrzeit: 5 vor 12. 5 vor 12 war es, als 1999 der Generalunternehmer, der gleichzeitig auch Gesellschafter der Nemo Freizeitbad GmbH & Co KG war, in die Pleite schlitterte, die Bauarbeiten gestoppt wurden, Behrmann "neues Geld" besorgen musste. 5 vor 12 war es auch am Eröffnungstag, dem 22. Dezember 1999. Während die Premierengäste durch die Eingangstür drängten, rang Behrmann im Büro mit den Bankern um Geld. "Die Eröffnung hing an einem seidenen Faden", sagte er einmal im Rückblick auf Nemos Geburt.

Die stand von Anfang an nicht unter einem guten Stern. Der Grundsteinlegung im Juli 1998 war eine jahrelange Planungs- und Genehmigungsphase vorausgegangen. In deren Verlauf musste beispielsweise mit Blick auf andere, eventuelle Bad-Projekte auf der Insel Rügen die zur Verfügung stehende Wasserfläche von einstmals mehr als 900 Quadratmetern auf etwa 600 Quadratmeter reduziert werden. Nemos Bad wurde so zu einem Plansch-Bad.

Dessen Betreiber ließen sich davon aber keinesfalls die Hoffnung auf einen guten Gang der Dinge nehmen. Frank Lambertz, Betriebsleiter bis zum 15. Dezember 2000, hatte noch vor der Eröffnung verkündet, dass 750 bis 800 Gäste täglich "realistisch" seien. Dieter Behrmann dagegen musste schnell erkennen, dass diese Planzahl "unrealistisch" war. Im ersten Nemo-Jahr war das Bad pro Tag durchschnittlich von etwa 400 Gästen besucht worden.

CHRIS-MARCO HEROLD


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