Thermalbad Strobl

Presse Thermalbad Strobl


Salzburger Nachrichten 26. Januar 2000

Erlebnisbad um 700 Mill. S

Ein Schweizer Konzern klopft in Strobl an. Jetzt gerät die Gemeinde unter Druck. Eine Initiative kämpft gegen die Pläne im Landschaftsschutzgebiet.

MARTIN ARBEITER

STROBL (SN). "Wir sind nicht gegen das Projekt. Der Standort ist aber denkbar ungeeignet." Das sagt GV Johanna Rieger (SPÖ). Bis auf zwei Bootshütten sei das Ufer zwischen Abersee und Strobl noch unverbaut. In dieses Feuchtgebiet solle jetzt ein Megaprojekt hingeknallt werden. Ob die Strobler Wirtschaft vom Erlebnisbad profitieren könnte, bezweifelt Rieger: "Das Bad ist zu weit vom Ortszentrum entfernt. Die Leute würden eher mit dem Boot nach St. Wolfgang fahren. Ein großer Landesteg ist schließlich auch geplant." Unterstützung erhält die Initiative von der Landesumweltanwaltschaft. "Der Bau im Landschaftsschutzgebiet wäre eine Todsünde", sagt Astrid Rössler.

Während die Bürgerinitiative auf der Bremse steht, fordern die Betreiber eine rasche Entscheidung. Johann Fürst von der Wolfgangsee-Thermenbad- und Freizeiteinrichtungs GmbH stellt der Gemeinde die Rute ins Fenster: "Wir lassen uns nicht länger hinhalten." Wenn das Projekt in Strobl nicht realisierbar sei, werde man nach Berau (St. Wolfgang) ausweichen.

Aqua Planet kalkuliert mit 140 Mitarbeitern

Die ersten Gespräche sollen in den nächsten Tagen geführt werden. Das OKA-Gelände, das als Alternative zur Wasswiese ins Spiel gebracht werde, sei zu klein. "Da würde sich die Investition nicht lohnen." Neben den Verkehrsproblemen sei auch mit Anrainerprotesten zu rechnen.

Noch sind Errichter, Betreiber und Finanzier nicht an Bord. Bislang verhandelte Fürst mit der VAMED-Gruppe und einem Konsortium aus den Baufirmen Hartl und Porr. Jetzt hat auch die Firma Aqua Planet aus der Schweiz angeklopft. Sie prüft Bau und Betrieb einer Erlebnisanlage samt Hotel (von der Bowlingbahn über einen Eislaufplatz bis zum Kino). Kosten: rund 700 Mill. S. Im dritten Betriebsjahr werden 400.000 Gäste angepeilt. Als Partner ist die deutsche TUI im Gespräch. Aqua Planet kalkuliert mit 140 Mitarbeitern Stammpersonal.

Für die Region ist es eigentlich einerlei, wo das Projekt entsteht. Strobl, St. Gilgen und St. Wolfgang haben sich zur Wolfgangsee Tourismus GmbH zusammengeschlossen. Für Strobl geht es aber um die Steuereinnahmen. Fürst spricht von Millionenbeträgen pro Jahr.

Bgm. Franz Unterberger (ÖVP) ist ein Verfechter des Standortes auf der Wasswiese. "Ich verstehe die Bedenken der Bürgerinitiative. Noch vor einem Jahr bin ich selbst für den OKA-Standort eingetreten. Ich habe mich aber von den Vorteilen der Wasswiese überzeugen lassen." Jetzt dürfte eine Bürgerbefragung am 12. März stattfinden. Zuvor will die Gemeinde eine ausgewogene Informationsinitiative starten. Erst nach der Bürgerbefragung will das Ortsparlament über die Umwidmung der 40.000 qm entscheiden.

©Salzburger Nachrichten 2000


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