Kristalltherme Oberstdorf

Quelle: Allgäuer Anzeigenblatt 31.07.2004

Kristalltherme wird Vitaltherme

Oberstdorf (pts).

Bis heute, Samstag, 23 Uhr, können sich die Badegäste noch in den Fluten der Oberstdorfer "Kristalltherme" tummeln. Über Nacht erfolgt die Verwandlung. Tags drauf, ab 9 Uhr, wird eine "Vitaltherme" sprudeln. Nicht nur der Name des ehemaligen kommunalen Hallenbrandungsbades wechselt. Sondern es hält auch ein neuer Pächter Einzug. Bäder-Unternehmer Heinz Steinhart räumt das Becken. Mit ihm verschwinden Edelsteine und Wandmosaiken, Palmen und Sonnenliegen. Der bisherige Pächter scheidet im Zorn von der Marktgemeinde.

Vor rund sieben Jahren war Steinhart laut eigener Aussage ein willkommener Partner gewesen, um die verlustreiche und nicht mehr attraktive Schwimmstätte durch eine privatisierte Geschäftsführung und eigenen Geldeinsatz auf Vordermann zu bringen. Fünf Millionen Euro hatte die Gemeinde draufgelegt, um das schadhafte Dach zu richten, einen großzügigen Saunabereich anzubauen und eine Thermalsole zu installieren. Durch die regelmäßigen Pachtüberweisungen Steinharts sollte sich die Investition nach und nach bezahlt machen.

Doch der Unternehmer geriet wie in seiner Bauernhof-Sauna mehr und mehr ins Schwitzen, weil Erlebnisbäder ringsum im Allgäu mit kräftigem Rückenwind durch die Kommunen für heftigen Wellenschlag sorgten. Steinhart suchte bessere Bedingungen mit der Kommune auszuhandeln und kündigte seinen eigentlich auf 20 Jahre laufenden Vertrag. Bürgermeister Thomas Müller verlegte sich keineswegs aufs Bitten und Betteln, sondern suchte nach einem neuen Partner. Gefunden wurde dieser in der Stuttgarter "Deyle Management GmbH", welche beispielsweise die Königstherme bei Augsburg führt.

Tourismus- und Sportdirektor Ottmar Barbian, der mit dem schillernden Steinhart verhandeln musste, welches Inventar nun der Kommune gehört und folglich an Ort und Stelle zu verbleiben hat, richtet den Blick nach vorn. "Die Gäste werden keine Einschränkungen erfahren", verweist Barbian darauf, dass es wegen des Pächterwechsels nicht einmal zu einer vorübergehenden Schließungszeit kommt. Sogar das 27-köpfige Personal wird bis auf die bisherige Geschäftsführerin voll vom neuen Betreiber Uwe Deyle übernommen. Dass Steinhart nach dem Entfernen all seines Eigentums "ein spartanisches Bad" hinterlassen will, regt den Tourismusamts-Chef nicht auf. Barbian: "Das beeinträchtigt die Funktionsfähigkeit nicht."

Jens Schönherr ist Deyles Regionaldirektor und künftig für die "Vitaltherme" unterm Nebelhorn zuständig. Er will sich am Sonntag bei einem Sektempfang bekanntmachen. Einen Bruch soll es nicht geben, malt sich Schönherr aus. Er hofft, dass die Badegäste der Einrichtung auch künftig die Treue halten werden. Die bisherigen Öffnungszeiten und Eintrittspreise sollen daher vorerst so bleiben, wie sie sind.

Mit Ironie und Sarkasmus verabschiedet sich hingegen Steinhart, nachdem sein Wirken "das Bad, nicht zuletzt auch durch eigene Investitionen, zu seinem jetzigen Stellenwert gebracht" habe, wie der Gekränkte betont. Steinhart spricht seinem Widerpart Barbian "Dank und Anerkennung" aus. Dabei hatte er den Tourismus-Direktor zwischendurch sogar mit einem, dann aber wieder aufgehobenen Hausverbot belegt.


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