Ferienresorts, Erlebnisbäder, Einkaufszentren - eine Millionen-Abzocke?

St. Kanzian Kristallbad

Kleine Zeitung Online 04.10.2003

Krainz will eine echte Therme auf die Beine stellen

Schock oder Anstoß? Nach dem Aus von Steinhart für das "Kristallbad" ist die Gemeinde St. Kanzian mehr denn je gefordert, aktiv zu werden

HUBERT BUDAI UND CHRISTIAN ZECHNER

Die erste Reaktion von Landeshauptmann-Stellvertreter Karl Pfeifenberger nach dem Rückzug der umstrittenen deutschen Steinhart-Gruppe war deutlich: "Irgendwie habe ich die Schnauze voll. St. Kanzian ist für mich erledigt."

Trotz Pfeifenbergers Absage an weitere Thermen-Investitionen im Tourismusort und seinen Zweifel, dass ein weiterer Interessent gefunden werden könne, ist man in der Gemeinde selbst vorsichtig optimistisch. Katzenjammer habe er keinen, sagt etwa Bürgermeister Thomas Krainz - "ganz im Gegenteil". Er denkt nach dem zerplatzten Kristallbad-Traum nicht ans Aufgeben. Krainz habe schon die Zusage für die Hälfte der Kosten für Probebohrungen nach Thermalwasser - etwa eine halbe Million Euro - von privaten Unternehmern aus dem Bezirk. "Wenn echtes Thermalwasser sprudelt, habe ich auch einen Betreiber", so Krainz, "ein österreichisches Unternehmen" - mehr könne er aber im Moment nicht sagen.

"Eine grobe Unterstellung"

Dass er das Projekt der Steinhart-Gruppe vorsätzlich verhindert hätte, weist Krainz zurück und bezeichnet die Aussage von Heinz Steinhart, er habe ihm gegenüber behauptet, er könne so kurz vor der Landtagswahl einer anderen Partei den Erfolg nicht gönnen, als "eine grobe Unterstellung".

Krainz geht davon aus, dass dem Land das Projekt auch bei einem anderen Betreiber acht Millionen Euro in Form des von Pfeifenberger zugesagten Kredites des KWF wert sei. "Ich hoffe, dass das Land auch einmal für die stärkste Tourismusregion etwas übrig hat, andere bekommen nicht rückzahlbare Zuschüsse."

Ähnlich sieht dies auch der Regionalverbands-Obmann Stefan Hasse: "Das Geld muss dorthin fließen, wo es gute Ideen gibt." Er ist überzeugt, dass es notwendig sei, in der Region "zusätzliche touristische Schwerpunkte zu setzen". Als Beispiel nennt Hasse etwa ein "Themenbad" am Klopeiner See. "Ansonsten seien die Rückgänge in Gebieten, in denen es nur eine Saison und keine Veränderungen gibt, bedrohlich."